Das vertrackte mit den Fitness-Trackern

Sport ist Mord und kein Sport ist Selbstmord.

Vor knapp 4 Jahren erinnerte ich mich an meine sportliche Vergangenheit und stellte fest, dass ich doch reichlich aus dem Leim gegangen war. Ein Besuch bei meinem Arzt bestätigte meinen ersten Eindruck und so lag der Entschluss nahe etwas zu tun.

Es mag komisch klingen, aber nicht nur einen schlanken und gesunden Körper muss man sich erarbeiten. Auch 25 kg Übergewicht, eine Teerlunge und Fettleber ist harte Arbeit. Vor allem bedeutet es, dass man sich über Jahre hinweg einen Lebenswandel angewöhnt haben muss, der zumindest mal für einen selbst gut funktioniert.

In meinem Fall waren das, viel zu lange Arbeitstage, mit unzähligen Nachtschichten die schlicht nur mit Unmengen an RedBull, Pizza und Zigaretten durchführbar waren. Mein Sport war mein Job. Dass das auf die Dauer etwas zu einseitig ist, hatte ich zwar schon mit Anfang 30 verstanden, allerdings nicht wirklich verändern können oder wollen. Kurz vor der 40 verändert sich dann aber doch das eine oder andere.

Nach einigem hin und her, kaufte ich mir also ein Mountainbike. Abgesehen davon dass mein Körper sich nicht im geringsten daran erinnern konnte, dass es mal völlig normal für mich war, kurze Distanzen ( bis 20 km ) mit dem Rad zu überbrücken, fand ich doch recht schnell wieder gefallen an dieser Art der Fortbewegung.

Da ich bekennender Gadgetomane bin, lag es auch nah sich eine dieser coolen neuen Tracking-Apps aufs Handy zu ziehen. Zugegeben, Schmerz vergeht – Stolz bleibt und mit ein bisschen Number-Crunching macht es noch viel mehr Spaß, weil man sich so schön an den zurückgelegten Kilometern und verbrannten Kalorien ergötzen kann.  Ich entschied mich damals für Runtastic und dabei auch sehr schnell die Pro-Version für knapp 30 Euro im Jahr.

So wurden die Strecken länger, die Trainingsintensität wuchs und ich fing an, mich intensiver mit dem einen oder andern Thema rund um „Gesundes Leben“ zu beschäftigen.

Erfolge und Niederlagen

Damit unser Körper UND unser Geist einigermaßen funktionieren kann, bedarf es einer komplexen Orchestration von Einflussfaktoren auf Körper, Geist und Seele. Es ist nicht so einfach damit getan nur ein bisschen Sport zu machen und zu denken, dass alles so weiter geht wie vorher. Zwar ist es im großen und ganzen schon so, dass man abnimmt, wenn man weniger Kalorieren zu sich nimmt, als verbrennt, doch bedeutet dies noch lange nicht, dass man dabei auch gesünder ist. Meine sehr einfache Formel lautete

  1. Mehr  Bewegung
  2. Bessere Ernährung
  3. Mehr Schlaf

Was ist Erfolg ? 

Erfolg ist das Erreichen eines gesetzten Ziels.

Mein Ziel war es 20 kg abzunehmen und fit zu werden, das ganze ohne mein Leben wesentlich zu verändern.

Was ist eine Niederlage ?

Wenn das Ziel nicht erreicht wird.

Woran ich nicht dachte, war ob das Ziel überhaupt erreichbar ist und ob es ein sinnvolles Ziel ist. Es dauerte also nicht lange, bis sich die ersten Niederlagen einstellten.

Niederlage Nr. 1 – Nur Sport alleine bringt es nicht. 

Ich musste feststellen, dass meine einfache Formel ( Consume less – burn more) nicht zwangsläufig erfolgreich ist. Vor allem dann nicht, wenn man es übertreibt und Sport ohne Rücksicht auf Verluste betreibt. Der Körper schlägt in diesem Fall schneller zurück als einem lieb ist. Schnell stellen sich die ersten Verletzungen ein und der Körper gewöhnt sich daran ab und zu ein bisschen geschunden zu werden und dann sind die Abnehmeffekte schneller hin, als man denkt. Im Gegenteil, stresst man seinen Körper mehr als gewöhnlich, denkt dieser dass er sich gegen schlechte Zeiten wehren muss und behält das Fett schön für sich. Kontinuität ist hier also sehr wichtig, genauso wie ein strukturierter Aufbau in der eigenen Leistungsfähigkeit.

Niederlage Nr. 2 – Die richtigen Dinge essen und die Dinge richtig essen.

Das ich neben dem Sport die unterschiedlichsten Diäten ausprobiert habe, kann man sich wahrscheinlich vorstellen. Angefangen bei Atkins ( Fleisch ist mein Gemüse) bis hin zu veganer Ernährung, heiligt der Zweck ganz schnell die Mittel und zugegeben, irgendwann ist klar, dass 4 T-Bone Steaks die Woche auch nicht die Lösung sind.

Es kam also die zweite App dazu. Diesmal wurde es Myfitnesspal. Eine App, die mit Runtastic kompatibel ist und praktisch jedes Lebensmittel in irgendeiner Form hinterlegt hat. Die Nährstoffe, Mikronährstoffe und Kalorien werden hier gezählt und man kann durchaus sagen, dass es möglich ist, mit dieser App bei kontinuierlicher Benutzung herauszufinden, was man ernährungstechnisch richtig macht und was nicht.

Damit dies funktionieren kann, bedarf es vor allem auch der Disziplin seine Nahrung zu tracken, aber auch schlicht dem Wissen, was gute Ernährung ist und was nicht. Schwierig wird es hier vor allem dadurch, dass Mengen einzelner Zutaten variieren, wenn man selber kocht und Convinience Food sollte man tunlichst bleiben lassen. Nichts desto trotz eine gute App, mit der man so einiges steuern kann.

Niederlage Nr. 3 – Schlaf ist wirklich wichtig. 

Wer mich ein bisschen kennt, weiß dass Nachtschlaf in meinem Wertesystem eine eher geringe Rolle spielt. Nächte mit nur 2-4 h Schlaf waren in den vergangenen Jahren keine Seltenheit. In Projekt-Hochphasen sind auch mal 48 h Non-Stop Arbeiten kein Thema gewesen und selbst die halbherzigen Versuche meiner Vorgesetzten konnten daran nicht wirklich etwas ändern. Jetzt wo ich also angefangen hatte, Sport in mein Leben einzubauen, kam ich erst recht in Schwierigkeiten, denn die Arbeit musste ja trotzdem gemacht werden. Also fing ich an, die „verlorene Zeit“ erst recht über Nachtschichten zu kompensieren. Dies funktioniert zwar eine Weile, doch auch hier stellt sich schnell heraus, dass der Körper wenig Schlaf als zusätzlichen Stress ansieht und direkt mit Fettbaufbau kontert. Es kam also das nächste Tracking-Device dazu, diesmal eine Smartwatch von Garmin mit deren Hilfe ich meine Schlafangewohnheiten überprüfen konnte. Mit Hilfe dieser Smartwatch nebst dazu gehöriger Software lassen sich meine Schlafbewegungen und Gewohnheiten tracken. Somit erfahre ich, wie viel Tiefschlaf und wieviel leichten Schlaf ich jede Nacht geniesse.

Niederlage Nr. 4 – Eine Sportart alleine bringt auch nichts.

Nach dem ersten Jahr mit meinem Mountainbike hatte ich wieder Beine wie ein Pferd – Dummerweise gefühlt auch den gleichen Bauchumfang und nicht zu vernachlässigende Schulter und Rückenschmerzen. Nach dem dann auch noch Rennradfahren dazu gekommen war wurde dies auch nicht wirklich besser. Ich musste also ausgleichende Sportarten suchen. Diese waren schnell gefunden, nachdem meine Freundin mich im gemeinsamen Urlaub brustschwimmend hinter sich ließ und meine Überlebensversuche im Wasser eher dazu führten, dass ich nach 100 m ein Sauerstoffzelt brauchte, war klar dass Schwimmen durchaus hilfreich sein würde. Die Rückenschmerzen wurden besser, aber technisches Training leider unabwendbar. Mein Fazit, ein Sport alleine macht einen nicht gesünder, es bedarf also mehr und vor allem muss man die Sportarten technisch richtig ausüben, da es sonst zu Verletzungen kommt. Mitterlweile schwimme ich zwei bis  3 mal die Woche im Durchschnitt 1 h.

Niederlage Nr. 5  – Es gibt ihn nicht, den Durchschnittsmensch. 

An dieser Stelle wird es etwas komplizierter, weil ein wenig Mathematik ins Spiel kommt. Praktisch jede Fitnessapp errechnet ihren Kalorienverbrauch pro Sporteinheit. Aber nicht zwangsläufig nach den selben Algorithmen. Solange man allerdings keinen Brustgurt verwendet, gibt es zumindest eine Faustformel die oft zum Einsatz kommt.  Für Ihren Grundumsatz werden folgende Variablen benutzt :

  • Gewicht
  • Größe
  • Ihr Aktivitätslevel während der Arbeitszeit ( Multiplikator)
  • Ihr Alter ( Multiplikator – Je jünger desto mehr Energieverbrauch)
  • Geschlecht ( wird abgefragt, um die Muskelmasse einzuschätzen)

Wie sich Ihr Körpergewicht zusammensetzt, wird hierbei nicht berücksichtigt. Dass sie allerdings deutlich mehr Kalorien verbrauchen, wenn Sie sehr muskulös sind und weniger wenn sie eher fettleibig sind, wird dabei nicht berechnet.

Wenn es dann an den Sport geht, werden primär folgende Variablen benutzt:

  • Sportart (Multiplikator)
  • Dauer der Ausübung (Mulitplikator)
  • Gewicht (Mulitplikator)

Im Ergebnis werden so folgende Sportarten ( bei meinem Gewicht)  mit folgendem Kalorienverbrauch berechnet.

  • 4 h Golf = 2.000 Kcal
  • 2 h Kraulschwimmen (langsam) = 2.300 Kcal
  • 4 h Radfahren (mittelschnell) = 3.700 Kcal
  • 1 h Joggen = 784 Kcal

Ob ich hierbei meine Golftasche mit immerhin knapp 15 kg getragen habe und der Platz flach oder hügelig war, wird nicht berechnet. Auch beim Schwimmen wird die zurückgelegte Distanz nicht einkalkuliert. Beim Radfahren spielen Gegenwind, Steigung und Rollwiederstand ebenfalls keine Rolle im Berechnungsmodell.

So richtig valide können also die normalen Kalorienrechner nicht sein. Was mich zum nächsten Punkt brachte.

Tue ich die richtigen Dinge vs. tue ich die Dinge richtig.

Wie man sich vielleicht vorstellen kann, steht man nicht einfach so eines morgens vorm Spiegel und beschließt jeden Tag wenige zu arbeiten, besser zu essen und mehr zu schlafen. Vielmehr konzentriert sich das „Gesunde Leben“ erstmal aufs Wochenende und vielleicht auf den einen oder anderen Tag in der Woche.

Dank meiner Apps, Runtastic, Myfitnesspal und Garmin konnte ich ja zumindest mal nachverfolgen, ob ich quantitativ im grünen Bereich bin.

Verbrannte Kalorien, zu mir genommene Nährstoffe und Schlafpensum alleine sind aber dummerweise nur sehr oberflächliche Indikatoren für den Grad an Gesundheit.

Hier einige einfache Zusammenhänge:

Steigt der Puls, steigt auch die verbrannte Anzahl an Kalorien. Sie brauchen also nur in 20 Minuten 5 Zigaretten rauchen und dann in den 5 Stock steigen. Ihr Puls geht hoch auf 160 und sie verbrennen Kalorien wie ein Spitzensportler, weil ihre Arterien sich zusammenziehen und nichts mehr durchlassen. Wenn Sie dann noch leicht übergewichtig sind, steigert sich der Effekt entsprechend.

Ein niedriger Ruhepuls ist ein Zeichen für Gesundheit ? Kein Problem, drei Gläser Rotwein erweitern Ihre Arterien dermaßen, dass der Puls automatisch sinkt, Ihre Leber hören sie ja nicht schreien.

8 Stunden Schlaf sind gut für Ihren Körper ? Ganz einfach, 3 Valium und schon schlafen Sie wie ein Baby, dass ihr Körper dies genauso wenig gut findet, wie ihr Gehirn steht auf einem ganz anderen Blatt, denn ihnen fehlt die REM Phase und damit auch der Erholungseffekt des Schlafes.

5.000 kcal am Stück zu verbrennen ist prima, dann können sie Abends zwei Pizzen essen und das Ritual am kommenden Tag wiederholen. Auch eine super Idee, wäre da nicht die ganze Milchsäure in Ihren Muskeln, die diese komplett dicht macht – sprich nein sie werden am nächsten Tag keine weitere Radtour machen.

Aber:

Ihre jeweiligen Apps werden Ihnen anzeigen, dass alles in bester Ordnung ist.

Simple Quantität alleine bringt es nicht!

Die meisten modernen Apps zeigen Ihnen in unterschiedlichen Ausprägungen folgende Werte:

  1. Dauer der Aktivität
  2. Art der Aktivität
  3. Kalorienverbrauch
  4. Geschwindigkeit
  5. Herzfrequenz
  6. Zurückgelegte Distanzen
  7. Höhenmeter ( Effektiv, Nach oben, Nach unten und total basierend auf GPS)

Nach dem ich mehrere Apps gleichzeitig im Betrieb hatte ( Runtastic, Garmin Connect / Garmin Smartwach Fenix HR 3, Strava. wollte ich wissen, ob diese Apps bei der gleichen Strecke und gleichen Laborbedingungen den gleichen Kalorienbedarf errechnen.

Die Ergebnisse wichen ohne die Messung der Herzfrequenz nur geringfügig von einander ab. Daraus schließe ich, dass hier das obige Modell zur Berechnung der Kcal genutzt wurde.

Die entsprechenden Höhenmeter wurden aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar mit in das Berechnungsmodell übernommen, lediglich die Geschwindigkeit spielte noch eine Rolle.

Aus den obigen Variablen wurden also lediglich die Dauer, Art der Aktivität und die Distanz in das Berechnungsmodell übernommen. Was für mich folgende Fragen aufwarf:

  1. Stimmen die ermittelten Werte bzw. wie unscharf sind diese?
  2. Wie lange muss mein Körper regenerieren, bis ich wieder Sport machen kann?
  3. Womit kann ich meinen Körper noch belasten ?
  4. Was sollte ich jetzt erstmal vermeiden?
  5. Wie kann ich eine Regeneration unterstützen?
  6. Wie finde ich den optimalen Mix an Maßnahmen heraus?
  7. Welche Daten brauche ich dafür?

Fitness ist eine Frage der Datenauswertung

Damit ich einen besseren Eindruck über meinen Fitnesszustand bekomme, habe ich mir ein großes Blutbild von meinem Arzt auswerten lassen. Hier zeigen sich deutliche Effekte der jeweiligen Diätprogramme, aber auch der diversen sportlichen Aktivitäten.

HDL / LDL gingen deutlich runter und auch andere Werte waren wieder im grünen Bereich.

Mit den vorhandenen Daten werde ich keine Antworten auf diese Fragen erhalten. Dementsprechend muss ich meine Toolbox aufbohren. Wer also einige zusätzliche Investitionen  für z.B. eine Smartwatch (450 €), Waage (130 €), Brustgurt ( 30€-500 €) oder Wattmessung (150€-1200 €) nicht scheut, der erfährt auch noch:

  1. VO Max ( Errechneter Wert)
  2. Watt ( Beim Radfahren)
  3. Anzahl Schwimmzüge (inkl. Schwimmstil)
  4. Erholungszeit ( Errechneter Wert)
  5. Körperfettwert
  6. Muskelmasse
  7. Knochenmasse
  8. Gewebemasse
  9. Schrittlänge
  10. Bodenkontaktdauer (Laufen)
  11. Belastung der Füsse ( Zeit auf Boden)
  12. Trittkraft in Pedale ( Rechts & Links)

Für knappe 1500 Euro habe ich also ein deutlich besseres statistisches Bild und kann mich besser einschätzen.

Das passt ja alles nicht zusammen.

Schwierig wird es, wenn sie nun unterschiedliche Devices haben ( Waage von Runtastic, Uhr von Garmin etc.)  und versuchen die Ergbebnisse zusammen zu führen, damit Sie ein Bild erhalten, wie es um Ihre Fitness bestellt ist.

Da jeder Hersteller ein wenig andere Schnittstellen hat und auch die Algorithmen zu Messung sehr unterschiedlich sind ( zeigt sich z.B. schon bei der Distanzmessung) kommen auch sehr unterschiedliche Ergebnisse zustande. Diese dann am Ende in ein Cockpit zu überführen, ist nicht ganz unkompliziert.

Zum einen, gibt es nicht sehr viele Apps, die Ergebnisse aus unterschiedlichen Trackingdevices oder Apps auch konsolidiert verarbeiten können. Apple und Google haben hier schon einiges geleistet auch Garmin und MyFitnesspal versuchen es un für echte Leistungsdiagnostik gibt es auch noch Trainingpeaks. Doch trotzdem, die Schnittstellen wollen oft nicht so, wie man es braucht und die Ergebnisse passen z.B. bei Energieverbrauch oder auch bei den Belastungen auf den Körper ( Laktat, VOMax) leider nicht immer zusammen und hier kommt mein Punkt. So kann das nicht weiter gehen, ich will belastbare Ergebnisse.

Walled Gardens statt OPEN API – was ein Quatsch!

Ob es einem als Hersteller nun gefällt oder nicht, Kunden begeben sich freiwillig in eine Plattform-Ökonomie und nicht unter Zwang. Das bedeutet, sie entscheiden sich für eine Uhr, Waage, Aktivitätenmessung, nicht zwangsläufig weil die Schnittstellen so schön zusammen passen, sondern weil das Design des Devices oder die Funktionalität oder bestimmte Daten ermittelt werden können. Es gibt also einen ganzen Blumenstrauss an guten Gründen, sich für oder gegen ein Produkt zu entscheiden, die Schnittstelle und Kompatibilität sind es aber eher nicht. Warum ? Weil Sie es nicht besser wissen. Praktisch jeder, der seinen Einstieg in die Leistungsmessung beim Sport macht, fängt mit einer Uhr oder halt einem anderen Device an, dass zunächst erstmal Informationen liefert und stellt nach einigen Monaten fest, dass es eigentlich viel mehr braucht, als nur dieses eine Device. Wenn man dann häppchenweise das eine oder andere Device nachkauft, stellen sich die Probleme ein, weil nicht nur die Bedienung komplex ist, sondern auch die Auswertung und Interpretation der Daten.

Viel schlimmer ist noch, wenn die Daten  ( um die es sich eigentlich dreht) entweder nicht valide sind oder nicht zusammen passen, weil halt jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht und am Ende für mich ein Kalorienverbrauch ermittelt wird, der jenseits der Realität liegt oder falsche Erholungszeiträume berechnet werden, weil das Gerät eben doch nicht alles weiß oder weil jeder seine Daten unterschiedlich berechnet.

Hierbei sollte vor allem das Risiko vermieden werden, dass sich ein hochmotivierter Sport-Wiedereinsteiger, sich so dermaßen vergallopiert, dass er tot aus dem Straßengraben gefischt werden kann oder zumindest schnell wieder die Lust verliert, weil ihm/ihr von der App suggeriert wird, dass er alles richtig macht.

Im Kern der Sache, geht es vor allem darum, dass die richtigen Daten auch richtig ermittelt und so interpretiert werden können, dass man dafür nicht unbedingt Sportmedizin studiert haben muss.

Der Lösungsansatz?

Hier führen mit Sicherheit mehrere Wege nach Rom, sicher ist allerdings soviel, dass die Schnittstellen zwischen den Systemen, Apps und Devices der diversen Akteure ( Smartphone Hersteller, Uhren, Waage, App etc.) leider doch sehr optimierungsbedürftig sind. Auch die Daten werden zunehmend differenziert erfasst und so sind die Unterschiede zwischen so manchen Apps doch drastisch und das nicht nur im Kalorienverbrauch, sondern auch in Laktatwerten und Erholungszeiten und und und .

Es fehlt also sozusagen die Super-API, der Marktstandard oder auch schlicht der Abbau von künstlichen Barrieren und vielleicht auch das eine oder andere Produkt nicht zu tode zu diversifizieren.

Alternativ, würde ich mir eine Plattform wünschen, auf der ich alle Daten via Schnittstelle aggregieren kann ( sauber) und diese dann auch in die richtige Verhältnismäßigkeit gesetzt werden.

Dies vor allem unter der Berücksichtigung, dass eigentlich keine der Applikationen auf dem Markt so wirklich profunde Aussagen trifft, ob ich jetzt die Dinge richtig getan habe oder nicht.

Time to say F… O.. to Facebook!

Facebook – es ist aus zwischen uns!

Liebes Facebook, 11 Jahre haben wir miteinander verbracht. 11 Jahre, in denen Du immer für mich da warst! Wenn ich einsam war, wenn ich mit Freunden zusammen schönes erlebt habe, wenn ich mich geärgert habe und wenn es Erfolge zu feiern gab.

Als mein digitales Tagebuch und Poesiealbum, hast Du mich stets treu begleitet.

Dein Newsfeed hat mich zum nachdenken gebracht , mir die Zeit vertrieben, mir so manches schallendes Gelächter beschert, sowohl auf meiner Seite,  als auch auf der meiner Freunde. Du hast mich mit Menschen in Kontakt bleiben lassen, die ich sonst bestimmt aus den Augen verloren hätte und mir so viel positives Feedback eingebracht.

Zugegeben, Du bist mir wichtig. Über die Jahre hinweg, bist Du nicht nur der Dreh- und Angelpunkt meiner Freundschaften und Beziehungen geworden, hast sogar dazu beigetragen meine Mutter ein Stück weit ins digitale Zeitalter zu bringen, du bist auch zum inhaltlichen Bindeglied zwischen mir und so manchen „Geschäftsfreund“ geworden, denn wir diskutieren hier all zu oft das Schicksal der digitalen und politischen Zukunft.

So hat sich Freund und Business mit einander verbunden, Inhalte, Meinungen, Fakten sind zu einer großen Gemengelage geworden, die sich in Diskussionen kaum noch auseinander halten lässt und so manche Geburtstagsfeier oder Firmenevent, wäre ohne dich kaum noch organisierbar.

Gemeinsam haben wir uns über die Jahre weiter entwickelt.

Du funktional, ich inhaltlich, Du qualitativ und ich charakterlich. So stehen wir heute da  und blicken in unterschiedliche Richtungen. Du denkst Du weißt alles über mich und ich habe dich durchschaut und das was ich sehe, ist nicht das was ich mir wünsche.

Streng genommen, müsste ich sogar andere vor dir warnen, denn du hast nicht nur mich verführt, sondern auch viele andere und auch wenn die anderen es wahrscheinlich nicht hören wollen, so will ich doch versuchen zu erklären, warum die Welt ohne dich eine bessere Welt ist.   

Oh Facebook, ohne dich wird mein Leben so unglaublich viel schwerer. Und doch es ist aus!  – Zeit getrennte Wege zu gehen.  

Warum ? das erkläre ich Dir gerne!

Willkommen in der Matrix!

Es ist gute 11 Jahre her, da mich mein guter Freund Niels Schuldt zu Facebook eingeladen hat und meinte, ich solle mir das unbedingt ansehen, da Facebook etwas ganz Großes werden würde. Ich muss zugeben, ich habe nicht mal im Ansatz geahnt, wie sehr er recht behalten sollte.  Ich nahm die Einladung an und ehe ich es mich versah, hatte ich die ersten 50 Freunde, vornehmlich aus dem Ausland. Ich konnte an deren Leben teilnehmen und schon war das Alumni meines Studiums zum Leben erwacht.

Wahrscheinlich kann sich jeder an den Film „Matrix“ erinnern. In dieser Science-Fiction Reihe, werden Menschen von Maschinen gezüchtet, um die Energie zu produzieren, damit die Maschine weitere Maschinen bauen kann.

Weil wir Menschen aber ohne Gehirnaktivität nicht leben können, erschafft die Maschine eine künstliche Welt, in der uns Träume eine Realität vorspielen, die uns glauben macht, wir würden in dieser Leben. Zwar ist nichts von dem was wir erleben wirklich real, aber so lange wir glauben, dass dies der Fall ist, können wir existieren.

So ähnlich ist das auch bei Facebook. Unsere Vorliebe für Katzenvideos und unsere Ängste vor Einwanderung ( ob Wölfe oder Flüchtlinge ist völlig egal)  definieren unsere Filterbubble und so machen wir den Inhalt selbst, die Matrix definiert dabei die Regeln, mit wem wir interagieren. Das Ganze hat aber nur einen Zweck – unsere Daten, Emotionen, Verbindungen, Gedanken und Meinungen als Ressource zu nutzen um Geld zu verdienen – unglaublich viel Geld sogar.

Facebook ist heute die wahrscheinlich effektivste Werbemaschine auf dem Planeten, denn Sie erschafft die Realität von der wir glauben wollen, dass sie real ist und Facebook misst dabei alles, unsere Gedanken, unsere Beziehungen unsere Interessen, was wir mögen und was wir offensichtlich verabscheuen. Es erfasst unsere Vergangenheit und das heute und prognostiziert unsere Zukunft treffsicherer als jedes Horoskop, kleiner Scherz, vielmehr als jeder Psychoanalytiker, denn hinter Facebook steht ein Algorithmus der uns gläsern macht, der uns nackt macht und viel empfindlicher als wir denken, denn er nutzt all unsere Träume, Hoffnungen und Ängste aus, um uns noch mehr gezielt relevante Informationen zukommen zu lassen.

Mit Tiervideos fing es an und mit Politik ging es weiter. Das Lesen von Gedanken in Echtzeit  ist schon projektiert und somit ist Facebook die wahrscheinlich beste Interpretation der Matrix Idee, die es gibt. Dabei dient die Matrix vor allem der Matrix und nicht den Menschen. Es geht darum Gewinne zu erzielen. Shareholder zu befriedigen und zu wachsen. Die Poleposition im Rennen der Technologie-Giganten  wird jedes Jahr neu verteilt und Facebook will da hin. Die Frage hierbei ist nun, welche Pille es sein darf? die Rote oder die  Blaue?

Als jemand der seit über 20 Jahren im Umfeld der Digitalisierung arbeitet, muss ich leider zugeben, dass ich mich lange geweigert habe die „Rote Pille“ des Begreifens -zu schlucken. Vielmehr habe ich mir sogar Mühe gegeben, Facebook bei der Verbreitung zu helfen. Ich habe kritiklos ( zumindest fast) jede Innovation begrüßt, mich darüber gefreut, dass Facebook eine noch bessere Arbeitsplatform für mich wurde und hatte oft genug darüber sinniert, ob es nicht sogar sinnvoll sei, die Arbeitsprozesse eines Unternehmens über Facebook abzubilden. Denn klar, Facebook hat das Potential Menschen zu verbinden, Ideen über unterschiedliche Formate auszutauschen und somit Menschen die Kolaboration zu erleichtern.

Allerdings ist dies nicht der Unternehmenszweck. Der Unternehmenszweck von Facebook ist es Werbung zu verkaufen. Die Key-Metrik hierbei lautet Cost per Click und am Ende Cost per Conversion. Damit diese Metriken besser sind als bei Google und anderen braucht Facebook ein System, mit dem es uns besser einschätzen kann, gläsern machen kann und somit dient alles, was uns Facebook bietet, immer nur dem einen Ziel, den Honig auszulegen, auf den wir fliegen und unsere Daten da lassen.

Ob uns das gut tut oder nicht, ob Facebook uns vor ungewollter Gehirnwäsche schützen könnte, das spielt keine Rolle denn das trüge nur sehr indirekt zum Umsatz und Wachstum bei.

Dante neu Gedacht!

Hätte es Facebook zur Zeiten von Dante Alighieri schon gegeben, so wäre es seiner Definition der Hölle mit ihren 9 Ebenen durchaus nahe gekommen.

Der letzte Kreis wird von Dante in dessen göttlicher Komödie als gefrorener blauer See bezeichnet, in dem die Seelen der schlimmsten Sünder eingefroren sind, auf dass Sie ihre Sünden immer und immer wieder aufs Neue emotional durchleben können/müssen – auf Ewigkeit.

Diese Ebene ist den Sündern vorbehalten, die Ihre liebsten getäuscht und betrogen haben. Und so tauchen wir ein, jedes mal, wenn wir unser reales Leben verlassen und in unser Handy starren um im „Blauen See“ zu schwimmen, hintergehen wir unsere Liebsten und begeben uns in die virtuellen Traumwelten, einer Blase voller Emotionen, die ja so viel wichtiger sind, als das was uns direkt umgibt.

Was heute als gesellschaftlich akzeptiert gilt, nämlich kaum noch miteinander zu sprechen, wenn man gemeinsam beim Essen oder anderen Aktivitäten ist, ist vielmehr als nur ein Stilbruch.  Seit Uhrzeiten dienen Rituale dazu, Menschen zusammen zu bringen. Gemeinsames Essen ist viel mehr als nur Nahrungsaufnahme, es dient dem Zusammenhalt des Stammes, dem Austausch von Erlebnissen und Erfahrungen.  Wenn wir heute lieber durch unsere Timeline surfen, als mit unseren liebsten zu sprechen, dann betrügen wir diese und uns selbst, weil wir uns gegenseitig die Zeit für einander stehlen.

Warum ist das eigentlich möglich ? Nunja, weil unsere Filterblase, die Timeline und unsere Freundesliste einen Teil der obigen Aufgaben übernommen hat. Die Filterblase steuert ständig relevante Themen ein und dank der Diskussionsfreudigkeit jedes einzelnen vergessen wir schnell die Menschen um uns herum.  Schon sind wir gefangen und vergessen die Menschen, die uns eigentlich nahe stehen.

Outrage ist das neue Porno!

In den letzten 3 Jahren haben ich diese Filterblase systematisch modifiziert, damit experimentiert und immer wieder neue Themen absichtlich in den Vordergrund gehypt. ( hiermit bitte ich um Entschuldigung für die vielen Anti-Trump Postings, an Umweltschutz glaube ich allerdings wirklich)

Ich habe mich selber zum Versuchskaninchen gemacht und mich immer wieder erschreckt, wie leicht man monothematisch bestrahlt wird und immer wieder in seiner Meinung bestärkt wird, selbst wenn einem diese eigentlich völlig sonst wo vorbeigehen. Dass Belohnungszentrum in unserem Gehirn, spielt dabei völlig verrückt, denn wann immer wieder ein Artikel kommt, der unser Kopfkino bestätigt, freuen wir uns und schon manifestiert sich eine gedankliche Welt.

Marketing-Strategen nennen das Content Marketing, ich würde es eher als professionellen Gehirnfick  oder halt „Outrage Porn“ bezeichnen. Outrage vor allem deshalb, weil wir mit den Aufreger- Themen konfrontiert werden, die tief in unser lymbisches System eingreifen und den Kern unseres Wertesystems treffen.  

Denn, Du bist was du glaubst und du glaubst, was Du nicht weißt, sondern fühlst.

Und genau hier liegt das Problem. Wir Menschen fühlen!!! Wir haben wenig Zeit zum tiefgründigen Denken, aber viel Zeit für Gefühle.  Die Maschine füttert uns, Sie gibt uns den Stoff den wir so dringend brauchen, Gefühl durch Inhalt, Themen die uns beschäftigen sind dabei die Spezialdiät für noch mehr Zeit im blauen Datenteich, durch den wir jeden Tag schwimmen und dabei mit anderen interagieren.  Je stärker uns ein Thema aufregt, gegen unser Wertsystem verstößt oder in einer anderen Art emotional berührt, desto leichter ist es

Unser Rückenmark in Wallung zu versetzen und damit unser Gehirn davon abzuhalten das Wahrgenommene in Ruhe zu durchdenken. Was dann passiert ?

Die Hölle, das sind die anderen!

Wer kennt das nicht, das hat man dieses eine Thema, bei dem es einen doch wie Schuppen von den Augen fallen muss – „Die anderen müssen das doch sehen???!!!!“ Sei es Flüchtlinge, der Umweltschutz, SUV’s und Dieselgate oder …oder… oder.

Jede Woche wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben und je stärker die Themen polarisieren, desto heftiger reagieren wir, unsere Filterbubble und auch die Diskussionen die wir führen. 

Mit Rationalität haben die Diskussionen schon lange nichts mehr zu tun, sondern es prallen Meinungen ohne fundierte Ahnung und Fakten aufeinander und führen zu teils völlig absurden Diskussionen in deren Folge, Freundschaften zerbrechen oder noch viel schlimmeres.  Aber wie sollte es auch gehen, unsere Welt ist komplex, mit vielen Abhängigkeiten, die kaum zu überschauen sind. Das eine ergibt das andere und so wird jede Diskussion schnell zum Glaubenskrieg, weil Meinung, eben nicht Wissen bedeutet und Wissen eher weniger etwas mit Spontanität zu tun hat.

Unsere Diskussionkultur verändert sich in diesem Kontext zunehmend, diese wird härter und zerstörerischer, vor allem aber absolutistischer. Wer einst Jean-Paul Sartres Version der Hölle gelesen hat, wird hier durchaus parallelen entdecken. In dessen Buch finden dabei zwei wesentliche Dinge statt. 1. Wenn alle die Chance haben zu gehen, bleibt trotzdem jeder, weil die Angst vor dem Unbekannten da draußen größer ist, als die Pein in der Hölle. 2. Am Ende findet keine Kommunikation mehr statt, die auf ein gemeinsames Ziel einzahlt. Vielmehr bilden sich kleine Gruppen, die vornehmlich einer Meinung sind.

Ich habe mir in den letzten Monaten bewusst eure Profile und die diversen Diskussionen angesehen und auch meine „Diskussionspartner“ immer mal wieder kritisch hinterfragt.

Hierbei habe ich gezielt Themen eingestreut, die polarisieren und versucht Reaktionen zu bewirken, ich habe provoziert, hinterfragt, gestichelt und auch mal Streit provoziert, mit Antithesen. Ja, ich habe meine Audience als Versuchskaninchen missbraucht, um Reaktionen zu testen.

Wie konnte ich nur? Oh, das war sehr einfach.  

Bei über 900 „Facebookfreunden“ ist die tatsächliche Peergroup mit der ich täglich interagiere, deutlich kleiner, als ich mir das gewünscht hätte. Vielmehr ist mir auch aufgefallen, dass viele so gut wie gar nicht interagieren, eher nur noch lesen, kaum noch „Teilen“ und immer weniger an Diskussionen teilnehmen. Somit greift immer mehr die klassische 1/99 Regel, nach der nur 1% der Teilnehmer einer Community tatsächlich an der Gestaltung dieser Teilnehmen.

Hier kommt erschwerend hinzu, dass bei Facebook ohnehin nur 1/16 aller Freunde mitbekommen, was man so tut. Weil der Algorithmus die Themen nach Relevanz und Reaktion steuert.

Das bedeutet für mich aber auch, dass Facebook seine Relevanz als Freunde-Netzwerk sukzessive verliert und zur Nachrichten und Werbeschleuder mutiert.

Wenn ich also ein Thema hochkochen wollte, habe ich mir diesen bewusst an bestimmte Teilnehmer ausgesteuert und gewartet, was passiert.

Warum eigentlich ?

Zunächst einmal hat mich interessiert, wie Facebook wen ansteuert und wie Menschen auf diese Inhalte reagieren. Mich hat die Diskussionskultur interessiert und wie so mancher meiner „Freunde“ funktioniert.

In den letzten 3 Jahren habe ich hier sozusagen zusehen können, wie sich die Gesprächskultur verändert, härter und absoluter wird, geschlossener und oft auch vollkommen unsachlich.

Worthülsen übertünchen Fakten und je häufiger eine Lüge wiederholt wird, desto eher wird sie geglaubt.

 Wenn ich mir dann die Diskussionkultur ansehe, wäre ein gelegentliches „Fresse halten“ (auch meinerseits) durchaus angebracht. Dies trifft insbesondere solche Kandidaten, die vor allem durch ein großes Sendungsbewusstsein in sozialen Medien auffallen und weniger durch das Antizipieren anderer Standpunkte oder sogar durch „Zuhören“. Im Gegenteil so mancher selbsternannte Prophet da draußen ist meines Erachtens nichts anderes als ein Kneipendummschwätzer, dem Facebook leider eine Plattform geboten hat, um Dinge loszuwerden, die in ihrer Form zwar unterhaltsam sind, aber im Inhalt eher schwach. 

Hier setzt für mich Kultur an, wenn wir eine Kultur fördern, in der es nicht mehr wichtig ist, „was“ Menschen sagen, sondern nur noch „wie“ dann brauchen wir uns auch nicht zu wundern, wenn Populisten die Macht übernehmen. Verstehen beginnt mit Zuhören und wenn die Hölle nicht die anderen sein sollen, dann beginnt es bei jedem selbst, zu überprüfen, was vor sich geht.  

Kultur – Der Feedback Loop aus der Hölle!

Was waren das noch für Zeiten, als wir uns über Katzenvideos und Comics amüsieren konnten, in denen es die täglichen Banalitäten waren, die Treiber für den Erfolg des „sozialen Netzwerks“ waren.  Selbst „Selfies“ waren am Anfang noch angenehm, weil man das Gefühl hatte am Leben anderer teilnehmen zu können. Doch dem kurzen Blitzlicht folgte die Bestätigung durch Likes und Herzchen und Kommentare und wie wir Menschen nun mal veranlagt sind, genießen wir das Feedback, ja wir brauchen es sogar als korrektiv und so werden wir süchtig danach, Feedback zu erhalten  (positives vor allem) und schon teilen wir jeden Mist, Hauptsache wir bekommen ein Leckerli dafür und unsere Eitelkeit wird durch den virtuellen Spiegel gefeatured. Sigmund Freud hätte auf Facebook seine ganze Freude gehabt.

Doch heute sind es andere Nachrichten und Themen, die vor allem die Verhältnismäßigkeit zwischen Menschen dominieren und viele davon sind nicht lustig. Vielmehr bekommt man den Eindruck, dass eigentlich alles, was auf dem Planeten geschieht, nur noch negativ ist. Um ehrlich zu sein, ist das was ich wirklich negativ empfinde, vor allem das, dass Menschen anstatt miteinander zu sprechen, nur noch in ihr Handy starren und der Entzug des WLANS für  Katastrophenstimmung sorgt.

Klar gibt es Themen die sind ernst, zum Beispiel die Art wie wir unseren Planeten behandeln, aber hey solange wir das neueste iPhone dazu benutzen uns darüber aufzuregen, ist doch alles gut. Wen kümmert es schon, dass Familien kaum noch miteinander reden, dass in Bewerbungsgesprächen gestresste Manager unbedingt ihre Mails checken müssen und noch bis spät in die Nacht erreichbar sind ? Solange ganze Landstriche verwüstet werden, damit wir bessere Akkus erhalten und die Rohstoffe in unseren Smartphones billig abgebaut werden können, ist alles in Butter, wichtig ist nur, dass es nicht direkt vor der Haustür geschieht, denn wo kämen wir denn hin, wenn uns die Realität einholen würde?

Aber zurück zur Matrix, äh Facebook!

Wir teilen jeden noch so großen und unreflektierten Mist, in dem Glauben, das dieser schon irgendwie stimmen wird und stellen gleichzeitig große Nachrichtenmagazine in Frage, deren Validität wir durch unsere eigene Wahllosigkeit und unsere Gier nach Sensationen überhaupt erst in die Situation gebracht haben, dass Nachrichten zur Fiktion werden ( Spiegel Affäre). Die gefühlte Tristesse unseres Arbeitslebens, schreit ja förmlich danach, dass etwas „Großes“ geschehen muss, ja, Sensationen müssen her, jetzt, sofort und schnell, denn morgen haben wir sie ohnehin wieder vergessen.

Halt – Stop – warum eigentlich? Ist die Langeweile echt nicht mehr zu ertragen? Das Leben wirklich so mies ? oder zerstört der Dauerstress unseres Belohnungssystems schlicht langsam aber sicher auch den Rest unserer grauen Masse zwischen den Ohren ?  

Ich gebe zu, Facebook hat mich lange gut unterhalten und ihr alle habt mich inspiriert, erfreut, traurig gemacht und gerührt, aber wenn ich zwei bis 4  Stunden am Tag damit verbringe in mein Handy zu starren und weniger mein eigenes Leben führe, dann muss ich mir Gedanken machen, wie ich mein Leben zurück bekomme. Wenn ich dann noch den Eindruck habe, dass die Themen zunehmend von Hass und Furcht geprägt sind, dann sehe ich ein Leben ohne Facebook als Verbesserung meiner Lebensqualität an.

Wenn es nichts kostet, bist Du das Produkt!

Ich habe diesen Satz in den letzten Jahren oft gehört und er wird für mich nicht richtiger, nur weil er oft wiederholt wird. Im Gegenteil. Wenn Du bei Facebook bist, dann bist Du nicht das Produkt, Du bist der Rohstoff! Das Produkt ist die Aufbereitung deiner Daten, deines Lebens, deiner Seele. Das Produkt ist ein kaufbarer „Dump“ an Daten, für jeden der es sich leisten kann und dafür braucht es nicht viel. Schon für 5 € bekomme ich eine kleine Kampagne und ich muss nur empathisch genug sein, um den Empfängerkreis entsprechend eingrenzen zu können.  Für viele klingt das noch ganz harmlos, denn es geht ja nur darum, dass Werbung ausgestrahlt wird. Doch was mit Daten möglich ist, zeigen nicht zuletzt die Wahlen in den USA oder auch das Brexit Referendum. Facebook hat hier den falschen Werbetreibenden  einen ethisch unsauberen Zugang gelegt und damit indirekt auch ermöglicht, dass wir heute geopolitisch kurz vor einer Aufspaltung Europas stehen und über Mauern entlang  der amerikanischen Grenze will ich gar nicht reden.

Meinungen machen zu können, dass ist das wirkliche Produkt und das ganze auf Basis meiner Likes, meiner Gespräche und meiner Fotos – meines Lebens! Na super, Facebook Du hast mich betrogen Du Bitch, denn Du willst nicht mich, Du willst mich nur benutzen!!! Nicht, dass ich das nicht gewusst hätte, aber Werbung und deren Wahrnehmung sollte sich in einem gewissen ethischen Korridor bewegen.

Wenn Du nicht Teil der Matrix bist, bist du nicht Teil der Realität!

Nach dem der eine oder andere Politiker nun das Weite sucht und die Sozialen-Medien verlässt, gibt es ernsthaft Leute, die glauben, dass diese Politiker unter Realitätsverlust leiden.

Ich persönlich sehe das nicht so, im Gegenteil!  Die reale Welt, die ist da draußen.

Die reale Welt, das sind Gespräche von Angesicht zu Angesicht, das sind die Begegnungen beim Einkaufen, der Kaffeeklatsch der Spaziergang im Wald und das empirische Erfahren der Realität.  Ich drehe es eher um: Wenn Du die richtige Pille schluckst, stellst Du fest wie schön die Welt wirklich sein kann UND wenn Du deine Zeit damit verbringst, die Welt besser zu machen, anstatt wie ein Wackeldackel einfach so auf „Like“ zu klicken und zu denken, dass Du damit deine Schuldigkeit getan hast, nein ein „Je Suis xyz“ löst nicht ein einziges Problem!!!!!

Die Dämonen, sie sind der Hölle entkommen und sie jagen dich!

Früher im Zeltlager hieß es „Was im Zeltlager passiert, dass bleibt im Zeltlager!“ Wenn Du glaubst, dass das bei Facebook auch so ist, dass blicke doch mal nach China.

Wir leben hier in der Illusion, dass unsere Zukunft eine Konstante ist und sich wenig verändert. In Wirklichkeit verändert sich unheimlich viel und weil es so viel ist, bekommen wir nur noch die großen Einschläge mit.

Wir billigen hierbei, dass unsere Telefone in China ( auch iPhones )  produziert werden und blenden den in China eingeführten Social Score völlig aus. Technologie ermöglicht nicht nur das „Teilen“ von Katzencontent, sondern auch das stetige Überwachen des Individuums. Wir sind umgeben von Überwachungskameras, die Schufa weiß, was Du  letzten Sommer verdient hast und dein Kreditkarten-Herausgeber kennt deine Konsumvorlieben genauso wie Amazon und ebay das tun.

Die reden nicht miteinander? Nunja .. in China ist das Zeitalter  in dem Maschinen miteinander reden und alles auf den einen Useraccount zurückführen bereits angebrochen und auch bei uns sammeln DSPs ( Datenprovider)  fröhlich ( anonymisierte) Daten über unser Verhalten, damit Werbung Web-Übergreifend besser funktioniert.  Personalisierte Fernsehwerbung ist auch schon in der Mache. So weit so gut, so lange wir dann bessere Werbung bekommen, ist das schon mal ein Mehrwert. Aber wenn wir uns durch diese Werbung um Kopf und Kragen kaufen ?

Wofür kann man deine Daten noch verwenden? Nun ja, wenn Du gerne im Netz diskutierst, dann wird dir vielleicht schon mal der Gedanke gekommen sein, dass es sich bei deinen Gesprächspartnern nicht nur um Menschen gehandelt haben kann. Ja, Bots sind die neuen Jäger in einer digitalen Welt. Drohnen, ausgeschickt um mit Dir in der Diskussion zu ringen, deine Gedanken zu vergiften und dich gegeben falls zu vernichten. (Verbal)

Wer schon mal solche Diskussionen miterlebt hat, der weiß bestimmt was ich meine. 

Stell dir mal die Frage, was passiert, wenn solche Technologien aus Facebook, Twitter und Co heraustreten können!

Kurzum Facebook Du Zecke, du saugst mein Blut und verkaufst es weiter, nein Danke!

Lebensqualität

Lebensqualität bedeutet für mich heute auch etwas anderes als es noch vor 10 Jahren der Fall war. Heute bin ich froh, wenn ich Zeit mit Freunden und Familie verbringen kann, wenn ich Zeit für meine Hobbies habe, gesund und munter Sport treiben kann und dabei finanziell halbwegs über die Runden komme. Karriere, Erfolg und Geld, sind natürlich auch wichtig, aber sie nehmen nicht mehr 90% meines Daseins ein, dafür ist mir mein Leben zu wichtig geworden. Facebook featured in diesem Wertesystem kaum noch einzelne KPI, da es mich nicht sportlicher, gesünder oder glücklicher macht und viele der Diskussionen langweilen mich, weil sie eher polemisch, denn faktisch sind.

Ein wichtiger Aspekt, hierbei ist für mich vor allem reale Menschen in der realen Welt zu treffen und mich mit diesen auszutauschen. So schön die virtuelle Welt sein kann, so sehr hinkt sie doch hinter der realen hinterher.

Warum wir soziale Netzwerke neu denken sollten?

Zweifelsohne, ein Netzwerk wie Facebook kann durchaus gewinnbringend für eine Gesellschaft sein. Aber so, wie es jetzt läuft, kann es nicht weitergehen. Wenn es so weiter geht, dass wir alle mit dem, was wir tun, nur Futter für einen Werbealgorithmus sind, der gleichzeitig noch Geheimdienste etc. füttert, dann wird der Mehrwert des Netzwerkes zwangsweise in den Hintergrund treten.

Gleichermaßen ist es auch so, dass unsere Daten durchaus einen Wert darstellen , dessen man sich bewusst sein sollte. Wenn wir schon unser Seelenleben im Internet auskippen und damit Geld verdient wird, dann sollten wir einen entsprechenden Refund dafür erhalten. Auf der anderen Seite dienen unsere Daten ja auch dazu, dass wir entsprechend passende Werbung erhalten. Aber es muss auch die Möglichkeit geben, dass jeder selber entscheiden kann, was von seinen Daten genutzt werden darf uns was nicht.

Fakten statt Meinungen.  Eine Gemeinschaft sollte in der Lage sein, Fake von Realität zu unterscheiden, ein  Algorithmus ebenso. Die Technologie, sollte uns helfen, eine aufgeklärtere Gesellschaft zu werden, die auf Basis von echten Informationen Entscheidungen fällt und nicht auf Basis von Hetze und Stimmungsmache.  Letzteres sollte auch entsprechend vorab überprüft werden können und nicht nur Pseudo-Sanktionierungen  unterliegen.

Wenn Facebook hier nicht schnell wird, bzw. andere Netzwerke sich nicht entsprechend entwickeln, sehe ich keine Zukunft für eine sinnvolle digitale Weiterentwicklung.

Tschüss Facebook!

In diesem Sinne, sehe ich auch Momentan keinen Grund mehr, Facebook zu unterstützen. Ich habe meine Aktien verkauft ( schon sehr lange), meine Filterbubble optimiertund repliziert.

Das wars!

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