Das vertrackte mit den Fitness-Trackern

Sport ist Mord und kein Sport ist Selbstmord.

Vor knapp 4 Jahren erinnerte ich mich an meine sportliche Vergangenheit und stellte fest, dass ich doch reichlich aus dem Leim gegangen war. Ein Besuch bei meinem Arzt bestätigte meinen ersten Eindruck und so lag der Entschluss nahe etwas zu tun.

Es mag komisch klingen, aber nicht nur einen schlanken und gesunden Körper muss man sich erarbeiten. Auch 25 kg Übergewicht, eine Teerlunge und Fettleber ist harte Arbeit. Vor allem bedeutet es, dass man sich über Jahre hinweg einen Lebenswandel angewöhnt haben muss, der zumindest mal für einen selbst gut funktioniert.

In meinem Fall waren das, viel zu lange Arbeitstage, mit unzähligen Nachtschichten die schlicht nur mit Unmengen an RedBull, Pizza und Zigaretten durchführbar waren. Mein Sport war mein Job. Dass das auf die Dauer etwas zu einseitig ist, hatte ich zwar schon mit Anfang 30 verstanden, allerdings nicht wirklich verändern können oder wollen. Kurz vor der 40 verändert sich dann aber doch das eine oder andere.

Nach einigem hin und her, kaufte ich mir also ein Mountainbike. Abgesehen davon dass mein Körper sich nicht im geringsten daran erinnern konnte, dass es mal völlig normal für mich war, kurze Distanzen ( bis 20 km ) mit dem Rad zu überbrücken, fand ich doch recht schnell wieder gefallen an dieser Art der Fortbewegung.

Da ich bekennender Gadgetomane bin, lag es auch nah sich eine dieser coolen neuen Tracking-Apps aufs Handy zu ziehen. Zugegeben, Schmerz vergeht – Stolz bleibt und mit ein bisschen Number-Crunching macht es noch viel mehr Spaß, weil man sich so schön an den zurückgelegten Kilometern und verbrannten Kalorien ergötzen kann.  Ich entschied mich damals für Runtastic und dabei auch sehr schnell die Pro-Version für knapp 30 Euro im Jahr.

So wurden die Strecken länger, die Trainingsintensität wuchs und ich fing an, mich intensiver mit dem einen oder andern Thema rund um „Gesundes Leben“ zu beschäftigen.

Erfolge und Niederlagen

Damit unser Körper UND unser Geist einigermaßen funktionieren kann, bedarf es einer komplexen Orchestration von Einflussfaktoren auf Körper, Geist und Seele. Es ist nicht so einfach damit getan nur ein bisschen Sport zu machen und zu denken, dass alles so weiter geht wie vorher. Zwar ist es im großen und ganzen schon so, dass man abnimmt, wenn man weniger Kalorieren zu sich nimmt, als verbrennt, doch bedeutet dies noch lange nicht, dass man dabei auch gesünder ist. Meine sehr einfache Formel lautete

  1. Mehr  Bewegung
  2. Bessere Ernährung
  3. Mehr Schlaf

Was ist Erfolg ? 

Erfolg ist das Erreichen eines gesetzten Ziels.

Mein Ziel war es 20 kg abzunehmen und fit zu werden, das ganze ohne mein Leben wesentlich zu verändern.

Was ist eine Niederlage ?

Wenn das Ziel nicht erreicht wird.

Woran ich nicht dachte, war ob das Ziel überhaupt erreichbar ist und ob es ein sinnvolles Ziel ist. Es dauerte also nicht lange, bis sich die ersten Niederlagen einstellten.

Niederlage Nr. 1 – Nur Sport alleine bringt es nicht. 

Ich musste feststellen, dass meine einfache Formel ( Consume less – burn more) nicht zwangsläufig erfolgreich ist. Vor allem dann nicht, wenn man es übertreibt und Sport ohne Rücksicht auf Verluste betreibt. Der Körper schlägt in diesem Fall schneller zurück als einem lieb ist. Schnell stellen sich die ersten Verletzungen ein und der Körper gewöhnt sich daran ab und zu ein bisschen geschunden zu werden und dann sind die Abnehmeffekte schneller hin, als man denkt. Im Gegenteil, stresst man seinen Körper mehr als gewöhnlich, denkt dieser dass er sich gegen schlechte Zeiten wehren muss und behält das Fett schön für sich. Kontinuität ist hier also sehr wichtig, genauso wie ein strukturierter Aufbau in der eigenen Leistungsfähigkeit.

Niederlage Nr. 2 – Die richtigen Dinge essen und die Dinge richtig essen.

Das ich neben dem Sport die unterschiedlichsten Diäten ausprobiert habe, kann man sich wahrscheinlich vorstellen. Angefangen bei Atkins ( Fleisch ist mein Gemüse) bis hin zu veganer Ernährung, heiligt der Zweck ganz schnell die Mittel und zugegeben, irgendwann ist klar, dass 4 T-Bone Steaks die Woche auch nicht die Lösung sind.

Es kam also die zweite App dazu. Diesmal wurde es Myfitnesspal. Eine App, die mit Runtastic kompatibel ist und praktisch jedes Lebensmittel in irgendeiner Form hinterlegt hat. Die Nährstoffe, Mikronährstoffe und Kalorien werden hier gezählt und man kann durchaus sagen, dass es möglich ist, mit dieser App bei kontinuierlicher Benutzung herauszufinden, was man ernährungstechnisch richtig macht und was nicht.

Damit dies funktionieren kann, bedarf es vor allem auch der Disziplin seine Nahrung zu tracken, aber auch schlicht dem Wissen, was gute Ernährung ist und was nicht. Schwierig wird es hier vor allem dadurch, dass Mengen einzelner Zutaten variieren, wenn man selber kocht und Convinience Food sollte man tunlichst bleiben lassen. Nichts desto trotz eine gute App, mit der man so einiges steuern kann.

Niederlage Nr. 3 – Schlaf ist wirklich wichtig. 

Wer mich ein bisschen kennt, weiß dass Nachtschlaf in meinem Wertesystem eine eher geringe Rolle spielt. Nächte mit nur 2-4 h Schlaf waren in den vergangenen Jahren keine Seltenheit. In Projekt-Hochphasen sind auch mal 48 h Non-Stop Arbeiten kein Thema gewesen und selbst die halbherzigen Versuche meiner Vorgesetzten konnten daran nicht wirklich etwas ändern. Jetzt wo ich also angefangen hatte, Sport in mein Leben einzubauen, kam ich erst recht in Schwierigkeiten, denn die Arbeit musste ja trotzdem gemacht werden. Also fing ich an, die „verlorene Zeit“ erst recht über Nachtschichten zu kompensieren. Dies funktioniert zwar eine Weile, doch auch hier stellt sich schnell heraus, dass der Körper wenig Schlaf als zusätzlichen Stress ansieht und direkt mit Fettbaufbau kontert. Es kam also das nächste Tracking-Device dazu, diesmal eine Smartwatch von Garmin mit deren Hilfe ich meine Schlafangewohnheiten überprüfen konnte. Mit Hilfe dieser Smartwatch nebst dazu gehöriger Software lassen sich meine Schlafbewegungen und Gewohnheiten tracken. Somit erfahre ich, wie viel Tiefschlaf und wieviel leichten Schlaf ich jede Nacht geniesse.

Niederlage Nr. 4 – Eine Sportart alleine bringt auch nichts.

Nach dem ersten Jahr mit meinem Mountainbike hatte ich wieder Beine wie ein Pferd – Dummerweise gefühlt auch den gleichen Bauchumfang und nicht zu vernachlässigende Schulter und Rückenschmerzen. Nach dem dann auch noch Rennradfahren dazu gekommen war wurde dies auch nicht wirklich besser. Ich musste also ausgleichende Sportarten suchen. Diese waren schnell gefunden, nachdem meine Freundin mich im gemeinsamen Urlaub brustschwimmend hinter sich ließ und meine Überlebensversuche im Wasser eher dazu führten, dass ich nach 100 m ein Sauerstoffzelt brauchte, war klar dass Schwimmen durchaus hilfreich sein würde. Die Rückenschmerzen wurden besser, aber technisches Training leider unabwendbar. Mein Fazit, ein Sport alleine macht einen nicht gesünder, es bedarf also mehr und vor allem muss man die Sportarten technisch richtig ausüben, da es sonst zu Verletzungen kommt. Mitterlweile schwimme ich zwei bis  3 mal die Woche im Durchschnitt 1 h.

Niederlage Nr. 5  – Es gibt ihn nicht, den Durchschnittsmensch. 

An dieser Stelle wird es etwas komplizierter, weil ein wenig Mathematik ins Spiel kommt. Praktisch jede Fitnessapp errechnet ihren Kalorienverbrauch pro Sporteinheit. Aber nicht zwangsläufig nach den selben Algorithmen. Solange man allerdings keinen Brustgurt verwendet, gibt es zumindest eine Faustformel die oft zum Einsatz kommt.  Für Ihren Grundumsatz werden folgende Variablen benutzt :

  • Gewicht
  • Größe
  • Ihr Aktivitätslevel während der Arbeitszeit ( Multiplikator)
  • Ihr Alter ( Multiplikator – Je jünger desto mehr Energieverbrauch)
  • Geschlecht ( wird abgefragt, um die Muskelmasse einzuschätzen)

Wie sich Ihr Körpergewicht zusammensetzt, wird hierbei nicht berücksichtigt. Dass sie allerdings deutlich mehr Kalorien verbrauchen, wenn Sie sehr muskulös sind und weniger wenn sie eher fettleibig sind, wird dabei nicht berechnet.

Wenn es dann an den Sport geht, werden primär folgende Variablen benutzt:

  • Sportart (Multiplikator)
  • Dauer der Ausübung (Mulitplikator)
  • Gewicht (Mulitplikator)

Im Ergebnis werden so folgende Sportarten ( bei meinem Gewicht)  mit folgendem Kalorienverbrauch berechnet.

  • 4 h Golf = 2.000 Kcal
  • 2 h Kraulschwimmen (langsam) = 2.300 Kcal
  • 4 h Radfahren (mittelschnell) = 3.700 Kcal
  • 1 h Joggen = 784 Kcal

Ob ich hierbei meine Golftasche mit immerhin knapp 15 kg getragen habe und der Platz flach oder hügelig war, wird nicht berechnet. Auch beim Schwimmen wird die zurückgelegte Distanz nicht einkalkuliert. Beim Radfahren spielen Gegenwind, Steigung und Rollwiederstand ebenfalls keine Rolle im Berechnungsmodell.

So richtig valide können also die normalen Kalorienrechner nicht sein. Was mich zum nächsten Punkt brachte.

Tue ich die richtigen Dinge vs. tue ich die Dinge richtig.

Wie man sich vielleicht vorstellen kann, steht man nicht einfach so eines morgens vorm Spiegel und beschließt jeden Tag wenige zu arbeiten, besser zu essen und mehr zu schlafen. Vielmehr konzentriert sich das „Gesunde Leben“ erstmal aufs Wochenende und vielleicht auf den einen oder anderen Tag in der Woche.

Dank meiner Apps, Runtastic, Myfitnesspal und Garmin konnte ich ja zumindest mal nachverfolgen, ob ich quantitativ im grünen Bereich bin.

Verbrannte Kalorien, zu mir genommene Nährstoffe und Schlafpensum alleine sind aber dummerweise nur sehr oberflächliche Indikatoren für den Grad an Gesundheit.

Hier einige einfache Zusammenhänge:

Steigt der Puls, steigt auch die verbrannte Anzahl an Kalorien. Sie brauchen also nur in 20 Minuten 5 Zigaretten rauchen und dann in den 5 Stock steigen. Ihr Puls geht hoch auf 160 und sie verbrennen Kalorien wie ein Spitzensportler, weil ihre Arterien sich zusammenziehen und nichts mehr durchlassen. Wenn Sie dann noch leicht übergewichtig sind, steigert sich der Effekt entsprechend.

Ein niedriger Ruhepuls ist ein Zeichen für Gesundheit ? Kein Problem, drei Gläser Rotwein erweitern Ihre Arterien dermaßen, dass der Puls automatisch sinkt, Ihre Leber hören sie ja nicht schreien.

8 Stunden Schlaf sind gut für Ihren Körper ? Ganz einfach, 3 Valium und schon schlafen Sie wie ein Baby, dass ihr Körper dies genauso wenig gut findet, wie ihr Gehirn steht auf einem ganz anderen Blatt, denn ihnen fehlt die REM Phase und damit auch der Erholungseffekt des Schlafes.

5.000 kcal am Stück zu verbrennen ist prima, dann können sie Abends zwei Pizzen essen und das Ritual am kommenden Tag wiederholen. Auch eine super Idee, wäre da nicht die ganze Milchsäure in Ihren Muskeln, die diese komplett dicht macht – sprich nein sie werden am nächsten Tag keine weitere Radtour machen.

Aber:

Ihre jeweiligen Apps werden Ihnen anzeigen, dass alles in bester Ordnung ist.

Simple Quantität alleine bringt es nicht!

Die meisten modernen Apps zeigen Ihnen in unterschiedlichen Ausprägungen folgende Werte:

  1. Dauer der Aktivität
  2. Art der Aktivität
  3. Kalorienverbrauch
  4. Geschwindigkeit
  5. Herzfrequenz
  6. Zurückgelegte Distanzen
  7. Höhenmeter ( Effektiv, Nach oben, Nach unten und total basierend auf GPS)

Nach dem ich mehrere Apps gleichzeitig im Betrieb hatte ( Runtastic, Garmin Connect / Garmin Smartwach Fenix HR 3, Strava. wollte ich wissen, ob diese Apps bei der gleichen Strecke und gleichen Laborbedingungen den gleichen Kalorienbedarf errechnen.

Die Ergebnisse wichen ohne die Messung der Herzfrequenz nur geringfügig von einander ab. Daraus schließe ich, dass hier das obige Modell zur Berechnung der Kcal genutzt wurde.

Die entsprechenden Höhenmeter wurden aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar mit in das Berechnungsmodell übernommen, lediglich die Geschwindigkeit spielte noch eine Rolle.

Aus den obigen Variablen wurden also lediglich die Dauer, Art der Aktivität und die Distanz in das Berechnungsmodell übernommen. Was für mich folgende Fragen aufwarf:

  1. Stimmen die ermittelten Werte bzw. wie unscharf sind diese?
  2. Wie lange muss mein Körper regenerieren, bis ich wieder Sport machen kann?
  3. Womit kann ich meinen Körper noch belasten ?
  4. Was sollte ich jetzt erstmal vermeiden?
  5. Wie kann ich eine Regeneration unterstützen?
  6. Wie finde ich den optimalen Mix an Maßnahmen heraus?
  7. Welche Daten brauche ich dafür?

Fitness ist eine Frage der Datenauswertung

Damit ich einen besseren Eindruck über meinen Fitnesszustand bekomme, habe ich mir ein großes Blutbild von meinem Arzt auswerten lassen. Hier zeigen sich deutliche Effekte der jeweiligen Diätprogramme, aber auch der diversen sportlichen Aktivitäten.

HDL / LDL gingen deutlich runter und auch andere Werte waren wieder im grünen Bereich.

Mit den vorhandenen Daten werde ich keine Antworten auf diese Fragen erhalten. Dementsprechend muss ich meine Toolbox aufbohren. Wer also einige zusätzliche Investitionen  für z.B. eine Smartwatch (450 €), Waage (130 €), Brustgurt ( 30€-500 €) oder Wattmessung (150€-1200 €) nicht scheut, der erfährt auch noch:

  1. VO Max ( Errechneter Wert)
  2. Watt ( Beim Radfahren)
  3. Anzahl Schwimmzüge (inkl. Schwimmstil)
  4. Erholungszeit ( Errechneter Wert)
  5. Körperfettwert
  6. Muskelmasse
  7. Knochenmasse
  8. Gewebemasse
  9. Schrittlänge
  10. Bodenkontaktdauer (Laufen)
  11. Belastung der Füsse ( Zeit auf Boden)
  12. Trittkraft in Pedale ( Rechts & Links)

Für knappe 1500 Euro habe ich also ein deutlich besseres statistisches Bild und kann mich besser einschätzen.

Das passt ja alles nicht zusammen.

Schwierig wird es, wenn sie nun unterschiedliche Devices haben ( Waage von Runtastic, Uhr von Garmin etc.)  und versuchen die Ergbebnisse zusammen zu führen, damit Sie ein Bild erhalten, wie es um Ihre Fitness bestellt ist.

Da jeder Hersteller ein wenig andere Schnittstellen hat und auch die Algorithmen zu Messung sehr unterschiedlich sind ( zeigt sich z.B. schon bei der Distanzmessung) kommen auch sehr unterschiedliche Ergebnisse zustande. Diese dann am Ende in ein Cockpit zu überführen, ist nicht ganz unkompliziert.

Zum einen, gibt es nicht sehr viele Apps, die Ergebnisse aus unterschiedlichen Trackingdevices oder Apps auch konsolidiert verarbeiten können. Apple und Google haben hier schon einiges geleistet auch Garmin und MyFitnesspal versuchen es un für echte Leistungsdiagnostik gibt es auch noch Trainingpeaks. Doch trotzdem, die Schnittstellen wollen oft nicht so, wie man es braucht und die Ergebnisse passen z.B. bei Energieverbrauch oder auch bei den Belastungen auf den Körper ( Laktat, VOMax) leider nicht immer zusammen und hier kommt mein Punkt. So kann das nicht weiter gehen, ich will belastbare Ergebnisse.

Walled Gardens statt OPEN API – was ein Quatsch!

Ob es einem als Hersteller nun gefällt oder nicht, Kunden begeben sich freiwillig in eine Plattform-Ökonomie und nicht unter Zwang. Das bedeutet, sie entscheiden sich für eine Uhr, Waage, Aktivitätenmessung, nicht zwangsläufig weil die Schnittstellen so schön zusammen passen, sondern weil das Design des Devices oder die Funktionalität oder bestimmte Daten ermittelt werden können. Es gibt also einen ganzen Blumenstrauss an guten Gründen, sich für oder gegen ein Produkt zu entscheiden, die Schnittstelle und Kompatibilität sind es aber eher nicht. Warum ? Weil Sie es nicht besser wissen. Praktisch jeder, der seinen Einstieg in die Leistungsmessung beim Sport macht, fängt mit einer Uhr oder halt einem anderen Device an, dass zunächst erstmal Informationen liefert und stellt nach einigen Monaten fest, dass es eigentlich viel mehr braucht, als nur dieses eine Device. Wenn man dann häppchenweise das eine oder andere Device nachkauft, stellen sich die Probleme ein, weil nicht nur die Bedienung komplex ist, sondern auch die Auswertung und Interpretation der Daten.

Viel schlimmer ist noch, wenn die Daten  ( um die es sich eigentlich dreht) entweder nicht valide sind oder nicht zusammen passen, weil halt jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht und am Ende für mich ein Kalorienverbrauch ermittelt wird, der jenseits der Realität liegt oder falsche Erholungszeiträume berechnet werden, weil das Gerät eben doch nicht alles weiß oder weil jeder seine Daten unterschiedlich berechnet.

Hierbei sollte vor allem das Risiko vermieden werden, dass sich ein hochmotivierter Sport-Wiedereinsteiger, sich so dermaßen vergallopiert, dass er tot aus dem Straßengraben gefischt werden kann oder zumindest schnell wieder die Lust verliert, weil ihm/ihr von der App suggeriert wird, dass er alles richtig macht.

Im Kern der Sache, geht es vor allem darum, dass die richtigen Daten auch richtig ermittelt und so interpretiert werden können, dass man dafür nicht unbedingt Sportmedizin studiert haben muss.

Der Lösungsansatz?

Hier führen mit Sicherheit mehrere Wege nach Rom, sicher ist allerdings soviel, dass die Schnittstellen zwischen den Systemen, Apps und Devices der diversen Akteure ( Smartphone Hersteller, Uhren, Waage, App etc.) leider doch sehr optimierungsbedürftig sind. Auch die Daten werden zunehmend differenziert erfasst und so sind die Unterschiede zwischen so manchen Apps doch drastisch und das nicht nur im Kalorienverbrauch, sondern auch in Laktatwerten und Erholungszeiten und und und .

Es fehlt also sozusagen die Super-API, der Marktstandard oder auch schlicht der Abbau von künstlichen Barrieren und vielleicht auch das eine oder andere Produkt nicht zu tode zu diversifizieren.

Alternativ, würde ich mir eine Plattform wünschen, auf der ich alle Daten via Schnittstelle aggregieren kann ( sauber) und diese dann auch in die richtige Verhältnismäßigkeit gesetzt werden.

Dies vor allem unter der Berücksichtigung, dass eigentlich keine der Applikationen auf dem Markt so wirklich profunde Aussagen trifft, ob ich jetzt die Dinge richtig getan habe oder nicht.

Time to say F… O.. to Facebook!

Facebook – es ist aus zwischen uns!

Liebes Facebook, 11 Jahre haben wir miteinander verbracht. 11 Jahre, in denen Du immer für mich da warst! Wenn ich einsam war, wenn ich mit Freunden zusammen schönes erlebt habe, wenn ich mich geärgert habe und wenn es Erfolge zu feiern gab.

Als mein digitales Tagebuch und Poesiealbum, hast Du mich stets treu begleitet.

Dein Newsfeed hat mich zum nachdenken gebracht , mir die Zeit vertrieben, mir so manches schallendes Gelächter beschert, sowohl auf meiner Seite,  als auch auf der meiner Freunde. Du hast mich mit Menschen in Kontakt bleiben lassen, die ich sonst bestimmt aus den Augen verloren hätte und mir so viel positives Feedback eingebracht.

Zugegeben, Du bist mir wichtig. Über die Jahre hinweg, bist Du nicht nur der Dreh- und Angelpunkt meiner Freundschaften und Beziehungen geworden, hast sogar dazu beigetragen meine Mutter ein Stück weit ins digitale Zeitalter zu bringen, du bist auch zum inhaltlichen Bindeglied zwischen mir und so manchen „Geschäftsfreund“ geworden, denn wir diskutieren hier all zu oft das Schicksal der digitalen und politischen Zukunft.

So hat sich Freund und Business mit einander verbunden, Inhalte, Meinungen, Fakten sind zu einer großen Gemengelage geworden, die sich in Diskussionen kaum noch auseinander halten lässt und so manche Geburtstagsfeier oder Firmenevent, wäre ohne dich kaum noch organisierbar.

Gemeinsam haben wir uns über die Jahre weiter entwickelt.

Du funktional, ich inhaltlich, Du qualitativ und ich charakterlich. So stehen wir heute da  und blicken in unterschiedliche Richtungen. Du denkst Du weißt alles über mich und ich habe dich durchschaut und das was ich sehe, ist nicht das was ich mir wünsche.

Streng genommen, müsste ich sogar andere vor dir warnen, denn du hast nicht nur mich verführt, sondern auch viele andere und auch wenn die anderen es wahrscheinlich nicht hören wollen, so will ich doch versuchen zu erklären, warum die Welt ohne dich eine bessere Welt ist.   

Oh Facebook, ohne dich wird mein Leben so unglaublich viel schwerer. Und doch es ist aus!  – Zeit getrennte Wege zu gehen.  

Warum ? das erkläre ich Dir gerne!

Willkommen in der Matrix!

Es ist gute 11 Jahre her, da mich mein guter Freund Niels Schuldt zu Facebook eingeladen hat und meinte, ich solle mir das unbedingt ansehen, da Facebook etwas ganz Großes werden würde. Ich muss zugeben, ich habe nicht mal im Ansatz geahnt, wie sehr er recht behalten sollte.  Ich nahm die Einladung an und ehe ich es mich versah, hatte ich die ersten 50 Freunde, vornehmlich aus dem Ausland. Ich konnte an deren Leben teilnehmen und schon war das Alumni meines Studiums zum Leben erwacht.

Wahrscheinlich kann sich jeder an den Film „Matrix“ erinnern. In dieser Science-Fiction Reihe, werden Menschen von Maschinen gezüchtet, um die Energie zu produzieren, damit die Maschine weitere Maschinen bauen kann.

Weil wir Menschen aber ohne Gehirnaktivität nicht leben können, erschafft die Maschine eine künstliche Welt, in der uns Träume eine Realität vorspielen, die uns glauben macht, wir würden in dieser Leben. Zwar ist nichts von dem was wir erleben wirklich real, aber so lange wir glauben, dass dies der Fall ist, können wir existieren.

So ähnlich ist das auch bei Facebook. Unsere Vorliebe für Katzenvideos und unsere Ängste vor Einwanderung ( ob Wölfe oder Flüchtlinge ist völlig egal)  definieren unsere Filterbubble und so machen wir den Inhalt selbst, die Matrix definiert dabei die Regeln, mit wem wir interagieren. Das Ganze hat aber nur einen Zweck – unsere Daten, Emotionen, Verbindungen, Gedanken und Meinungen als Ressource zu nutzen um Geld zu verdienen – unglaublich viel Geld sogar.

Facebook ist heute die wahrscheinlich effektivste Werbemaschine auf dem Planeten, denn Sie erschafft die Realität von der wir glauben wollen, dass sie real ist und Facebook misst dabei alles, unsere Gedanken, unsere Beziehungen unsere Interessen, was wir mögen und was wir offensichtlich verabscheuen. Es erfasst unsere Vergangenheit und das heute und prognostiziert unsere Zukunft treffsicherer als jedes Horoskop, kleiner Scherz, vielmehr als jeder Psychoanalytiker, denn hinter Facebook steht ein Algorithmus der uns gläsern macht, der uns nackt macht und viel empfindlicher als wir denken, denn er nutzt all unsere Träume, Hoffnungen und Ängste aus, um uns noch mehr gezielt relevante Informationen zukommen zu lassen.

Mit Tiervideos fing es an und mit Politik ging es weiter. Das Lesen von Gedanken in Echtzeit  ist schon projektiert und somit ist Facebook die wahrscheinlich beste Interpretation der Matrix Idee, die es gibt. Dabei dient die Matrix vor allem der Matrix und nicht den Menschen. Es geht darum Gewinne zu erzielen. Shareholder zu befriedigen und zu wachsen. Die Poleposition im Rennen der Technologie-Giganten  wird jedes Jahr neu verteilt und Facebook will da hin. Die Frage hierbei ist nun, welche Pille es sein darf? die Rote oder die  Blaue?

Als jemand der seit über 20 Jahren im Umfeld der Digitalisierung arbeitet, muss ich leider zugeben, dass ich mich lange geweigert habe die „Rote Pille“ des Begreifens -zu schlucken. Vielmehr habe ich mir sogar Mühe gegeben, Facebook bei der Verbreitung zu helfen. Ich habe kritiklos ( zumindest fast) jede Innovation begrüßt, mich darüber gefreut, dass Facebook eine noch bessere Arbeitsplatform für mich wurde und hatte oft genug darüber sinniert, ob es nicht sogar sinnvoll sei, die Arbeitsprozesse eines Unternehmens über Facebook abzubilden. Denn klar, Facebook hat das Potential Menschen zu verbinden, Ideen über unterschiedliche Formate auszutauschen und somit Menschen die Kolaboration zu erleichtern.

Allerdings ist dies nicht der Unternehmenszweck. Der Unternehmenszweck von Facebook ist es Werbung zu verkaufen. Die Key-Metrik hierbei lautet Cost per Click und am Ende Cost per Conversion. Damit diese Metriken besser sind als bei Google und anderen braucht Facebook ein System, mit dem es uns besser einschätzen kann, gläsern machen kann und somit dient alles, was uns Facebook bietet, immer nur dem einen Ziel, den Honig auszulegen, auf den wir fliegen und unsere Daten da lassen.

Ob uns das gut tut oder nicht, ob Facebook uns vor ungewollter Gehirnwäsche schützen könnte, das spielt keine Rolle denn das trüge nur sehr indirekt zum Umsatz und Wachstum bei.

Dante neu Gedacht!

Hätte es Facebook zur Zeiten von Dante Alighieri schon gegeben, so wäre es seiner Definition der Hölle mit ihren 9 Ebenen durchaus nahe gekommen.

Der letzte Kreis wird von Dante in dessen göttlicher Komödie als gefrorener blauer See bezeichnet, in dem die Seelen der schlimmsten Sünder eingefroren sind, auf dass Sie ihre Sünden immer und immer wieder aufs Neue emotional durchleben können/müssen – auf Ewigkeit.

Diese Ebene ist den Sündern vorbehalten, die Ihre liebsten getäuscht und betrogen haben. Und so tauchen wir ein, jedes mal, wenn wir unser reales Leben verlassen und in unser Handy starren um im „Blauen See“ zu schwimmen, hintergehen wir unsere Liebsten und begeben uns in die virtuellen Traumwelten, einer Blase voller Emotionen, die ja so viel wichtiger sind, als das was uns direkt umgibt.

Was heute als gesellschaftlich akzeptiert gilt, nämlich kaum noch miteinander zu sprechen, wenn man gemeinsam beim Essen oder anderen Aktivitäten ist, ist vielmehr als nur ein Stilbruch.  Seit Uhrzeiten dienen Rituale dazu, Menschen zusammen zu bringen. Gemeinsames Essen ist viel mehr als nur Nahrungsaufnahme, es dient dem Zusammenhalt des Stammes, dem Austausch von Erlebnissen und Erfahrungen.  Wenn wir heute lieber durch unsere Timeline surfen, als mit unseren liebsten zu sprechen, dann betrügen wir diese und uns selbst, weil wir uns gegenseitig die Zeit für einander stehlen.

Warum ist das eigentlich möglich ? Nunja, weil unsere Filterblase, die Timeline und unsere Freundesliste einen Teil der obigen Aufgaben übernommen hat. Die Filterblase steuert ständig relevante Themen ein und dank der Diskussionsfreudigkeit jedes einzelnen vergessen wir schnell die Menschen um uns herum.  Schon sind wir gefangen und vergessen die Menschen, die uns eigentlich nahe stehen.

Outrage ist das neue Porno!

In den letzten 3 Jahren haben ich diese Filterblase systematisch modifiziert, damit experimentiert und immer wieder neue Themen absichtlich in den Vordergrund gehypt. ( hiermit bitte ich um Entschuldigung für die vielen Anti-Trump Postings, an Umweltschutz glaube ich allerdings wirklich)

Ich habe mich selber zum Versuchskaninchen gemacht und mich immer wieder erschreckt, wie leicht man monothematisch bestrahlt wird und immer wieder in seiner Meinung bestärkt wird, selbst wenn einem diese eigentlich völlig sonst wo vorbeigehen. Dass Belohnungszentrum in unserem Gehirn, spielt dabei völlig verrückt, denn wann immer wieder ein Artikel kommt, der unser Kopfkino bestätigt, freuen wir uns und schon manifestiert sich eine gedankliche Welt.

Marketing-Strategen nennen das Content Marketing, ich würde es eher als professionellen Gehirnfick  oder halt „Outrage Porn“ bezeichnen. Outrage vor allem deshalb, weil wir mit den Aufreger- Themen konfrontiert werden, die tief in unser lymbisches System eingreifen und den Kern unseres Wertesystems treffen.  

Denn, Du bist was du glaubst und du glaubst, was Du nicht weißt, sondern fühlst.

Und genau hier liegt das Problem. Wir Menschen fühlen!!! Wir haben wenig Zeit zum tiefgründigen Denken, aber viel Zeit für Gefühle.  Die Maschine füttert uns, Sie gibt uns den Stoff den wir so dringend brauchen, Gefühl durch Inhalt, Themen die uns beschäftigen sind dabei die Spezialdiät für noch mehr Zeit im blauen Datenteich, durch den wir jeden Tag schwimmen und dabei mit anderen interagieren.  Je stärker uns ein Thema aufregt, gegen unser Wertsystem verstößt oder in einer anderen Art emotional berührt, desto leichter ist es

Unser Rückenmark in Wallung zu versetzen und damit unser Gehirn davon abzuhalten das Wahrgenommene in Ruhe zu durchdenken. Was dann passiert ?

Die Hölle, das sind die anderen!

Wer kennt das nicht, das hat man dieses eine Thema, bei dem es einen doch wie Schuppen von den Augen fallen muss – „Die anderen müssen das doch sehen???!!!!“ Sei es Flüchtlinge, der Umweltschutz, SUV’s und Dieselgate oder …oder… oder.

Jede Woche wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben und je stärker die Themen polarisieren, desto heftiger reagieren wir, unsere Filterbubble und auch die Diskussionen die wir führen. 

Mit Rationalität haben die Diskussionen schon lange nichts mehr zu tun, sondern es prallen Meinungen ohne fundierte Ahnung und Fakten aufeinander und führen zu teils völlig absurden Diskussionen in deren Folge, Freundschaften zerbrechen oder noch viel schlimmeres.  Aber wie sollte es auch gehen, unsere Welt ist komplex, mit vielen Abhängigkeiten, die kaum zu überschauen sind. Das eine ergibt das andere und so wird jede Diskussion schnell zum Glaubenskrieg, weil Meinung, eben nicht Wissen bedeutet und Wissen eher weniger etwas mit Spontanität zu tun hat.

Unsere Diskussionkultur verändert sich in diesem Kontext zunehmend, diese wird härter und zerstörerischer, vor allem aber absolutistischer. Wer einst Jean-Paul Sartres Version der Hölle gelesen hat, wird hier durchaus parallelen entdecken. In dessen Buch finden dabei zwei wesentliche Dinge statt. 1. Wenn alle die Chance haben zu gehen, bleibt trotzdem jeder, weil die Angst vor dem Unbekannten da draußen größer ist, als die Pein in der Hölle. 2. Am Ende findet keine Kommunikation mehr statt, die auf ein gemeinsames Ziel einzahlt. Vielmehr bilden sich kleine Gruppen, die vornehmlich einer Meinung sind.

Ich habe mir in den letzten Monaten bewusst eure Profile und die diversen Diskussionen angesehen und auch meine „Diskussionspartner“ immer mal wieder kritisch hinterfragt.

Hierbei habe ich gezielt Themen eingestreut, die polarisieren und versucht Reaktionen zu bewirken, ich habe provoziert, hinterfragt, gestichelt und auch mal Streit provoziert, mit Antithesen. Ja, ich habe meine Audience als Versuchskaninchen missbraucht, um Reaktionen zu testen.

Wie konnte ich nur? Oh, das war sehr einfach.  

Bei über 900 „Facebookfreunden“ ist die tatsächliche Peergroup mit der ich täglich interagiere, deutlich kleiner, als ich mir das gewünscht hätte. Vielmehr ist mir auch aufgefallen, dass viele so gut wie gar nicht interagieren, eher nur noch lesen, kaum noch „Teilen“ und immer weniger an Diskussionen teilnehmen. Somit greift immer mehr die klassische 1/99 Regel, nach der nur 1% der Teilnehmer einer Community tatsächlich an der Gestaltung dieser Teilnehmen.

Hier kommt erschwerend hinzu, dass bei Facebook ohnehin nur 1/16 aller Freunde mitbekommen, was man so tut. Weil der Algorithmus die Themen nach Relevanz und Reaktion steuert.

Das bedeutet für mich aber auch, dass Facebook seine Relevanz als Freunde-Netzwerk sukzessive verliert und zur Nachrichten und Werbeschleuder mutiert.

Wenn ich also ein Thema hochkochen wollte, habe ich mir diesen bewusst an bestimmte Teilnehmer ausgesteuert und gewartet, was passiert.

Warum eigentlich ?

Zunächst einmal hat mich interessiert, wie Facebook wen ansteuert und wie Menschen auf diese Inhalte reagieren. Mich hat die Diskussionskultur interessiert und wie so mancher meiner „Freunde“ funktioniert.

In den letzten 3 Jahren habe ich hier sozusagen zusehen können, wie sich die Gesprächskultur verändert, härter und absoluter wird, geschlossener und oft auch vollkommen unsachlich.

Worthülsen übertünchen Fakten und je häufiger eine Lüge wiederholt wird, desto eher wird sie geglaubt.

 Wenn ich mir dann die Diskussionkultur ansehe, wäre ein gelegentliches „Fresse halten“ (auch meinerseits) durchaus angebracht. Dies trifft insbesondere solche Kandidaten, die vor allem durch ein großes Sendungsbewusstsein in sozialen Medien auffallen und weniger durch das Antizipieren anderer Standpunkte oder sogar durch „Zuhören“. Im Gegenteil so mancher selbsternannte Prophet da draußen ist meines Erachtens nichts anderes als ein Kneipendummschwätzer, dem Facebook leider eine Plattform geboten hat, um Dinge loszuwerden, die in ihrer Form zwar unterhaltsam sind, aber im Inhalt eher schwach. 

Hier setzt für mich Kultur an, wenn wir eine Kultur fördern, in der es nicht mehr wichtig ist, „was“ Menschen sagen, sondern nur noch „wie“ dann brauchen wir uns auch nicht zu wundern, wenn Populisten die Macht übernehmen. Verstehen beginnt mit Zuhören und wenn die Hölle nicht die anderen sein sollen, dann beginnt es bei jedem selbst, zu überprüfen, was vor sich geht.  

Kultur – Der Feedback Loop aus der Hölle!

Was waren das noch für Zeiten, als wir uns über Katzenvideos und Comics amüsieren konnten, in denen es die täglichen Banalitäten waren, die Treiber für den Erfolg des „sozialen Netzwerks“ waren.  Selbst „Selfies“ waren am Anfang noch angenehm, weil man das Gefühl hatte am Leben anderer teilnehmen zu können. Doch dem kurzen Blitzlicht folgte die Bestätigung durch Likes und Herzchen und Kommentare und wie wir Menschen nun mal veranlagt sind, genießen wir das Feedback, ja wir brauchen es sogar als korrektiv und so werden wir süchtig danach, Feedback zu erhalten  (positives vor allem) und schon teilen wir jeden Mist, Hauptsache wir bekommen ein Leckerli dafür und unsere Eitelkeit wird durch den virtuellen Spiegel gefeatured. Sigmund Freud hätte auf Facebook seine ganze Freude gehabt.

Doch heute sind es andere Nachrichten und Themen, die vor allem die Verhältnismäßigkeit zwischen Menschen dominieren und viele davon sind nicht lustig. Vielmehr bekommt man den Eindruck, dass eigentlich alles, was auf dem Planeten geschieht, nur noch negativ ist. Um ehrlich zu sein, ist das was ich wirklich negativ empfinde, vor allem das, dass Menschen anstatt miteinander zu sprechen, nur noch in ihr Handy starren und der Entzug des WLANS für  Katastrophenstimmung sorgt.

Klar gibt es Themen die sind ernst, zum Beispiel die Art wie wir unseren Planeten behandeln, aber hey solange wir das neueste iPhone dazu benutzen uns darüber aufzuregen, ist doch alles gut. Wen kümmert es schon, dass Familien kaum noch miteinander reden, dass in Bewerbungsgesprächen gestresste Manager unbedingt ihre Mails checken müssen und noch bis spät in die Nacht erreichbar sind ? Solange ganze Landstriche verwüstet werden, damit wir bessere Akkus erhalten und die Rohstoffe in unseren Smartphones billig abgebaut werden können, ist alles in Butter, wichtig ist nur, dass es nicht direkt vor der Haustür geschieht, denn wo kämen wir denn hin, wenn uns die Realität einholen würde?

Aber zurück zur Matrix, äh Facebook!

Wir teilen jeden noch so großen und unreflektierten Mist, in dem Glauben, das dieser schon irgendwie stimmen wird und stellen gleichzeitig große Nachrichtenmagazine in Frage, deren Validität wir durch unsere eigene Wahllosigkeit und unsere Gier nach Sensationen überhaupt erst in die Situation gebracht haben, dass Nachrichten zur Fiktion werden ( Spiegel Affäre). Die gefühlte Tristesse unseres Arbeitslebens, schreit ja förmlich danach, dass etwas „Großes“ geschehen muss, ja, Sensationen müssen her, jetzt, sofort und schnell, denn morgen haben wir sie ohnehin wieder vergessen.

Halt – Stop – warum eigentlich? Ist die Langeweile echt nicht mehr zu ertragen? Das Leben wirklich so mies ? oder zerstört der Dauerstress unseres Belohnungssystems schlicht langsam aber sicher auch den Rest unserer grauen Masse zwischen den Ohren ?  

Ich gebe zu, Facebook hat mich lange gut unterhalten und ihr alle habt mich inspiriert, erfreut, traurig gemacht und gerührt, aber wenn ich zwei bis 4  Stunden am Tag damit verbringe in mein Handy zu starren und weniger mein eigenes Leben führe, dann muss ich mir Gedanken machen, wie ich mein Leben zurück bekomme. Wenn ich dann noch den Eindruck habe, dass die Themen zunehmend von Hass und Furcht geprägt sind, dann sehe ich ein Leben ohne Facebook als Verbesserung meiner Lebensqualität an.

Wenn es nichts kostet, bist Du das Produkt!

Ich habe diesen Satz in den letzten Jahren oft gehört und er wird für mich nicht richtiger, nur weil er oft wiederholt wird. Im Gegenteil. Wenn Du bei Facebook bist, dann bist Du nicht das Produkt, Du bist der Rohstoff! Das Produkt ist die Aufbereitung deiner Daten, deines Lebens, deiner Seele. Das Produkt ist ein kaufbarer „Dump“ an Daten, für jeden der es sich leisten kann und dafür braucht es nicht viel. Schon für 5 € bekomme ich eine kleine Kampagne und ich muss nur empathisch genug sein, um den Empfängerkreis entsprechend eingrenzen zu können.  Für viele klingt das noch ganz harmlos, denn es geht ja nur darum, dass Werbung ausgestrahlt wird. Doch was mit Daten möglich ist, zeigen nicht zuletzt die Wahlen in den USA oder auch das Brexit Referendum. Facebook hat hier den falschen Werbetreibenden  einen ethisch unsauberen Zugang gelegt und damit indirekt auch ermöglicht, dass wir heute geopolitisch kurz vor einer Aufspaltung Europas stehen und über Mauern entlang  der amerikanischen Grenze will ich gar nicht reden.

Meinungen machen zu können, dass ist das wirkliche Produkt und das ganze auf Basis meiner Likes, meiner Gespräche und meiner Fotos – meines Lebens! Na super, Facebook Du hast mich betrogen Du Bitch, denn Du willst nicht mich, Du willst mich nur benutzen!!! Nicht, dass ich das nicht gewusst hätte, aber Werbung und deren Wahrnehmung sollte sich in einem gewissen ethischen Korridor bewegen.

Wenn Du nicht Teil der Matrix bist, bist du nicht Teil der Realität!

Nach dem der eine oder andere Politiker nun das Weite sucht und die Sozialen-Medien verlässt, gibt es ernsthaft Leute, die glauben, dass diese Politiker unter Realitätsverlust leiden.

Ich persönlich sehe das nicht so, im Gegenteil!  Die reale Welt, die ist da draußen.

Die reale Welt, das sind Gespräche von Angesicht zu Angesicht, das sind die Begegnungen beim Einkaufen, der Kaffeeklatsch der Spaziergang im Wald und das empirische Erfahren der Realität.  Ich drehe es eher um: Wenn Du die richtige Pille schluckst, stellst Du fest wie schön die Welt wirklich sein kann UND wenn Du deine Zeit damit verbringst, die Welt besser zu machen, anstatt wie ein Wackeldackel einfach so auf „Like“ zu klicken und zu denken, dass Du damit deine Schuldigkeit getan hast, nein ein „Je Suis xyz“ löst nicht ein einziges Problem!!!!!

Die Dämonen, sie sind der Hölle entkommen und sie jagen dich!

Früher im Zeltlager hieß es „Was im Zeltlager passiert, dass bleibt im Zeltlager!“ Wenn Du glaubst, dass das bei Facebook auch so ist, dass blicke doch mal nach China.

Wir leben hier in der Illusion, dass unsere Zukunft eine Konstante ist und sich wenig verändert. In Wirklichkeit verändert sich unheimlich viel und weil es so viel ist, bekommen wir nur noch die großen Einschläge mit.

Wir billigen hierbei, dass unsere Telefone in China ( auch iPhones )  produziert werden und blenden den in China eingeführten Social Score völlig aus. Technologie ermöglicht nicht nur das „Teilen“ von Katzencontent, sondern auch das stetige Überwachen des Individuums. Wir sind umgeben von Überwachungskameras, die Schufa weiß, was Du  letzten Sommer verdient hast und dein Kreditkarten-Herausgeber kennt deine Konsumvorlieben genauso wie Amazon und ebay das tun.

Die reden nicht miteinander? Nunja .. in China ist das Zeitalter  in dem Maschinen miteinander reden und alles auf den einen Useraccount zurückführen bereits angebrochen und auch bei uns sammeln DSPs ( Datenprovider)  fröhlich ( anonymisierte) Daten über unser Verhalten, damit Werbung Web-Übergreifend besser funktioniert.  Personalisierte Fernsehwerbung ist auch schon in der Mache. So weit so gut, so lange wir dann bessere Werbung bekommen, ist das schon mal ein Mehrwert. Aber wenn wir uns durch diese Werbung um Kopf und Kragen kaufen ?

Wofür kann man deine Daten noch verwenden? Nun ja, wenn Du gerne im Netz diskutierst, dann wird dir vielleicht schon mal der Gedanke gekommen sein, dass es sich bei deinen Gesprächspartnern nicht nur um Menschen gehandelt haben kann. Ja, Bots sind die neuen Jäger in einer digitalen Welt. Drohnen, ausgeschickt um mit Dir in der Diskussion zu ringen, deine Gedanken zu vergiften und dich gegeben falls zu vernichten. (Verbal)

Wer schon mal solche Diskussionen miterlebt hat, der weiß bestimmt was ich meine. 

Stell dir mal die Frage, was passiert, wenn solche Technologien aus Facebook, Twitter und Co heraustreten können!

Kurzum Facebook Du Zecke, du saugst mein Blut und verkaufst es weiter, nein Danke!

Lebensqualität

Lebensqualität bedeutet für mich heute auch etwas anderes als es noch vor 10 Jahren der Fall war. Heute bin ich froh, wenn ich Zeit mit Freunden und Familie verbringen kann, wenn ich Zeit für meine Hobbies habe, gesund und munter Sport treiben kann und dabei finanziell halbwegs über die Runden komme. Karriere, Erfolg und Geld, sind natürlich auch wichtig, aber sie nehmen nicht mehr 90% meines Daseins ein, dafür ist mir mein Leben zu wichtig geworden. Facebook featured in diesem Wertesystem kaum noch einzelne KPI, da es mich nicht sportlicher, gesünder oder glücklicher macht und viele der Diskussionen langweilen mich, weil sie eher polemisch, denn faktisch sind.

Ein wichtiger Aspekt, hierbei ist für mich vor allem reale Menschen in der realen Welt zu treffen und mich mit diesen auszutauschen. So schön die virtuelle Welt sein kann, so sehr hinkt sie doch hinter der realen hinterher.

Warum wir soziale Netzwerke neu denken sollten?

Zweifelsohne, ein Netzwerk wie Facebook kann durchaus gewinnbringend für eine Gesellschaft sein. Aber so, wie es jetzt läuft, kann es nicht weitergehen. Wenn es so weiter geht, dass wir alle mit dem, was wir tun, nur Futter für einen Werbealgorithmus sind, der gleichzeitig noch Geheimdienste etc. füttert, dann wird der Mehrwert des Netzwerkes zwangsweise in den Hintergrund treten.

Gleichermaßen ist es auch so, dass unsere Daten durchaus einen Wert darstellen , dessen man sich bewusst sein sollte. Wenn wir schon unser Seelenleben im Internet auskippen und damit Geld verdient wird, dann sollten wir einen entsprechenden Refund dafür erhalten. Auf der anderen Seite dienen unsere Daten ja auch dazu, dass wir entsprechend passende Werbung erhalten. Aber es muss auch die Möglichkeit geben, dass jeder selber entscheiden kann, was von seinen Daten genutzt werden darf uns was nicht.

Fakten statt Meinungen.  Eine Gemeinschaft sollte in der Lage sein, Fake von Realität zu unterscheiden, ein  Algorithmus ebenso. Die Technologie, sollte uns helfen, eine aufgeklärtere Gesellschaft zu werden, die auf Basis von echten Informationen Entscheidungen fällt und nicht auf Basis von Hetze und Stimmungsmache.  Letzteres sollte auch entsprechend vorab überprüft werden können und nicht nur Pseudo-Sanktionierungen  unterliegen.

Wenn Facebook hier nicht schnell wird, bzw. andere Netzwerke sich nicht entsprechend entwickeln, sehe ich keine Zukunft für eine sinnvolle digitale Weiterentwicklung.

Tschüss Facebook!

In diesem Sinne, sehe ich auch Momentan keinen Grund mehr, Facebook zu unterstützen. Ich habe meine Aktien verkauft ( schon sehr lange), meine Filterbubble optimiertund repliziert.

Das wars!

How (not) to fail in Big Data Management!

Die Idee

Wir alle hinterlassen Spuren im Internet, bei der Nutzung digitaler Devices und bei so mancher Pflege unserer Kundenbeziehungen. Oft sind uns diese Spuren gar nicht bewusst, manche kommen sogar zustande wenn wir vertrauliche Daten mit Banken, Versicherungen und Krankenkassen austauschen. Noch mehr persönliche Daten, in Form von Gedanken und Meinungen, hinterlassen wir in sozialen Netzwerken. Kurzum es ist der Traum eines jeden Marketing-Experten, Produkt-Innovators und Unternehmens-Strategen –  100% Transparenz über all das was potentielle Kunden wollen und dann muss man es ihnen nur noch geben.

So weit so gut, in der Theorie amortisiert sich die Investition in die Speicherung und Verarbeitung von Daten schon alleine dadurch, dass die Analyse der Daten zu den richtigen Entscheidungen führt.

So ganz Grundsätzlich hat sich an den Regeln für ein gutes DataManagement in den letzten 20 Jahren nicht viel geändert. Daten-Wahrheit, Klarheit, Quantität und Qualität sind fundamental, um Kundendaten auf allen Ebenen des Konversionspfades zusammenzuführen und zu verstehen.

Mit einem entsprechend offenen Identitätsmanagement lassen sich sogar Daten ausserhalb der eigenen Customer Journey korrelieren. Das bedeutet, Sie erfahren nicht nur, wer ihr potentieller Kunde ist, sondern sukzessive auch, was dieser für Motive und Meinungen hat.

Wenn Sie dann noch in ihrer eigenen DMP ( DataManagementPlattform) entsprechende Segmente bilden und diese nachgehalten bekommen, wird aus der althergebrachten Zielgruppe ( Deutscher Markt zwischen 20 und 60 Jahren Alter) ganz schnell hunderte verhaltensbasierte Zielgruppen, die sich klar mit Attributen eingrenzen lassen.

Somit können sie zielgerichtet Werben, treffen endlich die richtigen Kunden und bekommen viel mehr Effizienz in ihren Marketing Mix. Die Kosten sinken und alle sind glücklich.  Zumindest theoretisch, denn die Realität hält aber oft genug Enttäuschungen bereit.

Die wirklichen Herausforderungen

Die Grundlage für die Verarbeitung der Daten ist die Customer-Journey des Kunden innerhalb des Marketing-Kosmos des Unternehmens.

Die Herausforderung ist, diese zum einen zu kennen und zum anderen auch so zu modellieren, dass diese sukzessive bessere Daten produziert. Das hört sich einfacher an, als es gesagt ist. Bei näherer Betrachtung einer Customer Journey und den Touchpoints der meisten Unternehmen fällt auf, dass diese gar nicht so aufschlussreich sind, wie man sich dies erhofft.

Angesichts dessen, dass alleine für die Infrastruktur, die es Bedarf um ein ordentliches Data-Management zu betreiben locker einen 6 stelligen Betrag verschlingt, liegt es nahe, das die Erwartungshaltungen groß sind. Doch sehr schnell werden die Gesichter mehr als lang.

Die Top 7 Fails im Data Management: 

Keine oder nur Siloartige Data-Management Strategie 

In vielen Fällen gibt es kein Daten/Identitäts-Zielbild, da der Fokus darauf liegt, schlicht Daten zu sammeln und dann irgendwie zu verwerten. Dabei werden weder die Ziele noch potentiell daraus resultierende Maßnahmen vorab in irgendeiner Form angedacht. Wenn dann doch mal aus versehen das eine oder andere „Key-Finding“ aus dem Datensalat purzelt, ist die Aufregung sofort groß und schnell werden irgendwelche Maßnahmen eingeleitet.

Viele Unternehmen geben sich damit zufrieden, wenn das Thema als solchen in irgendeinem Silo des Unternehmens geparkt ist. Dabei kann das Unternehmen als Ganzes von den Daten profitieren und vor allem müssten die unterschiedlichen anderen Silos stetig dazu beitragen die Datenlage zu verbessern.

Die Vernetzung der Touchpoints zu einer „Identitätsarchitektur“ ist komplex, weil C-Naming, Tool Einsatz, Datenschutz und schlicht Kompetenzlücken aufeinander treffen.

Im Ergebnis gibt es nur unzusammenhängenden Datenschrott aus dem sich nur sehr Waage herauslesen lässt, welche Trends existieren, weil diese weder Quantitativ ausreichend sind oder noch schlimmer vollkommen losgelöst von dem geschehen was auf Ihrer Website passiert und von dem was Ihre Kunden wollen. 

Ohne Vision keine Datenarchitektur – Keine Vision, Keine Personas, kein Prozess

Wenn es keine klare Datenvision gibt, dann liegt dies oft daran, dass UX-Experten nicht in den Prozess involviert sind. Es sind viel zu oft, nur die Datenexperten involviert und nicht diejenigen, die die Prozesse im Unternehmen insb. die digitalen Prozesse designen.Die Ermangelung an solchen Experten führt dazu, dass es keine Personas und somit auch keine Zielprotagonisten gibt, die überprüft werden können.Folglich fehlt es auch an klaren Thesen, zu Informationsgewinnung Ohne die entsprechenden Thesen, wie man den Konsumenten wirklich erkennt, kann es nicht zu Prozessen kommen, die die gewünschten Informationen liefern.Ohne die Prozesse zu kennen, die es bedarf, kann auch nur schwer entschieden werden, welche Datenquellen wirklich notwendig sind.

Klare Vision zur Kundentypologisierung ist die Voraussetzung für Data-Management

Data Management ist Service Design, ist Data Management.

Viele der Applikationen auf Unternehmenswebsites / Shops dienen dazu den Kunden zum Kauf zu bewegen anstatt Services aufzubauen, die dem Kunden Sicherheit im Kaufprozess geben. Dementsprechend fallen die Antworten genauso eindimensional aus, wie vorher im WebAnalyse-System. Man weiß also gar nicht was der Kunde will und kann somit aus den Daten nichts herauslesen.

Wer also  qualitativ vernünftige Daten gewinnen möchte, wird das nicht mit einer Servicewüste schaffen, sondern nur mit einer Dienstleistungsarchitektur, die den eigenen Kunden hilft und gleichzeitig Informationen liefert. Dies muss vor allem nachhaltig erfolgen und agile weiterentwickelt werden. Mit dem entsprechenden Servicegedanken im Kern, kann aus den ersten Daten schon soviel mitgenommen werden, dass die Applikationen weiter entwickelt werden können.

Conversionsfunnel werden oft sowohl zu eindimensional ( CR) betrachtet und nicht in Bezug auf die individuelle Nutzersituation und Nutzermotive.Ihre Kunden konvertieren deutlich früher, als es im klassischen Funnel-Denken erscheint, zum Beispiel beim ersten Besuch ihrer Website, nur merken Sie es gar nicht, weil es nicht direkt zu einer Transaktion führt, sondern zum „Plan“ der Transaktion beim Kunden.  Sie müssen es schaffen, den Kunden besser auf dem Pfad zur Konversion zu begleiten.Diese Betrachtung oder besser „Nicht-Betrachtung“ der Vielschichtigkeit des Pfads zur Conversion verdeckt die Sicht auf das Wesentliche, nämlich die Ausrichtung auf die Bedürfnisse der User und die Schaffung von Daten, die mehr Anhaltspunkte zum Verständnis der User bringen.

So werden Features geschaffen, die oft nur dem Business dienen, aber aber nicht dem User und schon gar nicht dazu tiefere Erkenntnisse zu gewinnen. Das bedeutet, der Business Stratege hat sich durchgesetzt, aber eine UX Strategie wurde leider komplett vernachlässigt.

Fehlende Empathie für Kunden durch Strukturen, Prozesse und falsche KPI

Jede Service Applikation liefert nicht nur Kundenvorteile, sondern auch wertvolle Daten über den Kunden und seine Wünsche.

Aus Sicht des Kunden ist eine Website ein Werkzeug, um z.B. ein Produkt zu konfigurieren aber noch viel wichtiger, um eine Entscheidung zu fällen und Informationen zu erhalten, die dies ermöglichen.

Doch wenn die Mitarbeiter im Unternehmen, welche die Daten-Analyse-Infrastruktur bedienen, nicht verstehen wie Kunden „ticken“ und auch nicht an die Entwicklungsprozesse angedockt sind, laufen zwei Stränge parallel und im Ergebnis entstehen keine Einsichten.

Je stärker ein Unternehmen durch wirtschaftliche Kennziffern getrieben ist, desto mehr rücken die Kennziffern zur Feststellung der Kundenzufriedenheit in den Hintergrund. Schließlich muss ja Geld verdient werden. Dass allerdings das Verhalten der Kunden eher intuitiv zum Umsatz führt, fällt dabei oft hinten runter.

Das Problem sitzt vor dem Rechner – allerdings ist damit diesmal nicht der Kunde gemeint. Die Schwierigkeit liegt nämlich darin, Daten und Analysen richtigen zu interpretieren und nicht nur, sie einfach zu erheben. Hierfür bedarf es nicht nur einiger grundlegender statistischer Kenntnisse, sondern vor allem auch Business-Know how. Kurz gesagt, wenn Ihr Analyst gar nicht versteht was wirklich auf ihrer Website los ist, dann kann er auch nicht die richtigen Schlussfolgerungen aus Ihren Daten ziehen. Im Ergebnis erhalten Sie nicht zwangsläufig die richtigen Informationen.

Daten sind nur fragmentiert im Unternehmen bekannt. Datenhoheit ist der Tod für einen lernenden Marketing-Organismus.

Unternehmen in Matrix-Strukturen sollten zwar auf Grund von Querschnittsfunktionen grundsätzlich einen guten und strukturierten Informationsfluss haben, doch kommt es vor, dass  die Informationen dieser Querschnittsfunktionen nicht publiziert oder konsistent mit den Prozessen der Säulen verdrahtet werden. Im Ergebnis werden in den Säulen entsprechende Entscheidungen ohne die relevanten Daten gefällt.

Besonders in großen Unternehmen ist spezifisches Know How oft genug politische Munition zur eigenen Profilierung. Ein derart erlerntes Verhalten prägt ganze Unternehmenskulturen. Wenn nun aber Daten theoretisch jedem zur Verfügung stehen, verändert sich auch die Kultur des Unternehmens, weil die die „Zurückhaltung“ von Insights keinen strategischen Vorteil mehr darstellt. Das dies so manchem nicht gefällt, liegt auf der Hand. Dementsprechend bedarf es auch einem grundlegenden Bewusstsein darüber was es bedeutet, eine transparente Informationskultur aufzubauen.

Der Geist ist willig – aber die Organisation ist träge

Dies ist sehr wahrscheinlich der größte Pitfall den es zu überspringen gilt. Wir leben in einer Zeit, in der nicht nur Daten tunlichst in Echtzeit jedem auf Abruf zur Verfügung stehen sollten ( Sichtwort: Datenstreaming), sondern in der Kunden erwarten, dass die Dinge sich schnell ändern. Weiterhin kostet Sie jede Minute eines ineffizienten Prozesses bares Geld in Form von Opportunitätskosten. Wenn Sie also jede Veränderung und jeden neuen Service über die 4 verschiedene Gremien hinweg jedes mal aufs Neue besprechen müssen oder wollen – helfen Ihnen auch die besten Daten nichts. Vielmehr ist das einzige, was Ihnen diese Daten am Ende verraten werden, dass Sie Geld verlieren.

Data-Management ist also bei weitem mehr, als nur das Handling von Petabyte an Daten auf Cloudbasierten Plattformen und komplexe Analysetools. Der Einsatz von BigData und entsprechendem Management touchiert ganz andere Themenkomplexe:

  1. Unternehmensstrategie / Digitalstrategie / Transformationsstrategie
  2. Service Design-Strategie
  3. Change-Management und Organisationsentwicklung
  4. HR-Development
  5. Prozess-Management ( Operations)
  6. Marketing / Sitemanagement / CRM / Filialen/ ServiceCenter / Redaktion
  7. Preis-Steuerung
  8. Logistik ( je nach Case)

In einer so komplexen und volatilen Welt wie der unseren, wird die richtige Verwendung von Daten und die vernetzte Integration dieser zum fundamentalen Erfolgsfaktor. Alleine der Zugriff auf die richtigen Daten wird ein Wettbewerbsvorteil.

Kein Prozess – Kein Inhalt – keine Daten

Das wirkliche Problem besteht allerdings vor allem darin, nicht nur Prozesse und Schnittstellen aufzubauen, sondern diese auch mit Leben zu füllen.

Ein Beispiel:

Seit dem Einzug von Social Media in den Marketing-Mix diverser Unternehmen ist eine Facebook-Seite oder ein Twitter Account sozusagen integrierter Bestandteil des Kommunikationsmixes geworden. Da es nicht ganz einfach ist, über sich selbst reflektiert und vor allem relevant zu sprechen, werden viele dieser sozialen Accounts vor allem mit Gewinnspielen, Marketinginformationen bzw. Angeboten bespielt. Fans werden zuvor über  Anzeigen oder virale Gewinnspiele gewonnen.

Was bringen Ihnen Partygäste, die nur des Buffets wegen kommen ?

Niemand mag solche Gäste, die eigentlich nichts mit Ihnen zu tun haben wollen, ausser etwas kostenlos zu bekommen. Genau das passiert aber, wenn man eine Fangemeinde nicht über den Inhalt sondern über Spielmechaniken gewinnt. Sie erhalten die falschen Freunde, keine loyalen Fans die sich mit Ihnen auseinandersetzen wollen. Abgesehen von den komplett verschwendeten Marketing-Budgets erhalten Sie auch keine wirklich relevanten Informationen über Ihre Kunden, denn diese wollen nicht mit Ihnen sprechen.

Neben dem Prozess bedarf es also auch die richtigen Inhalte um Kunden anzuziehen, die Ihnen die richtigen Informationen liefern. 

In der Praxis ? Wie wäre es denn besser ? 

Service, Inhalte und Prozesse die Kunden helfen.

Oft genug stehen sich Business-Strategen und UX Strategen diametral dogmatisch in den Auffassungen gegenüber. Die einen wollen platt den Umsatz erhöhen, die anderen das Nutzererlebnis steigern. Der Datenstratege setzt sich also direkt zwischen die Stühle, denn er versucht ja nun erstmal einfach nur Daten zu sammeln. Die Wahrheit dürfte allerdings irgendwo zwischen den jeweiligen Meinungen liegen und ein gemeinsames Prozessdesign könnte helfen einen Konsens zu erzielen, der sowohl nachhaltig, als auch agil erweiterbar ist.

Wenn Sie z.B. einen Carsharing Service betreiben, kann es sehr sinnvoll sein, die Service-Infrastruktur mit sozialen Netzwerken zu verbinden. So würden sie beispielsweise Erfahren, wo sich ihre Kunden wann regelmäßig befinden ( Check-In-Daten) und könnten in Echtzeit auf z.B. Beschwerden reagieren. Aus diesen Daten liessen sich beispielsweise Sonderpreise für Fahrten in bestimmte Stadtgebiete entwickeln und so die Flotte gleichmäßiger verteilen, damit die Fahrzeuge weniger lange herumstehen.

Der Daten Business-Case – Verdrahtung der Disziplinen im Prozessdesign und Contentaufbau.

Ein Lösungsansatz liegt vor allem darin, interdisziplinär in der Kompetenz, aber geschlossen in der Zielsetzung Services so aufzubauen, dass diese im Kern den Nutzern helfen UND das Geschäftsproblem lösen. Dabei sollte es von vornherein klar sein, dass keiner die absolute Wahrheit erahnen kann, sondern viel mehr mit jedem Service ein Grundstein für mehr Informationen gelegt wird, der nachgehalten und ausgebaut werden muss. Der Vorteil in der Interdisziplinarität liegt hierbei vornehmlich darin, dass sowohl das Know How der unterschiedlichen Kollegen in den Case eingeht, als auch die Verantwortung für die Weiterentwicklung von allen Beteiligten leichter erfolgt.

Weiterhin besteht so die Chance ein besseres Service Design für Kunden aufzubauen, Datensilos zu vermeiden, die Empathie für Kundenbedürfnisse organisationsübergreifend stufenweise zu steigern und damit auch die Kultur eines Unternehmens zu beeinflussen.

Don’t feed the Dinosaurs!

Wenn wir heute ein gutes Quartal haben, dann liegt das daran, dass wir vor 5 Jahren die richtigen Entscheidungen getroffen haben.

Jeff Bezos

 

Krisenzeiten sind oft genug ein gute Gelegenheit auszutesten, wie gut das Management eines Unternehmens wirklich ist. In sehr kurzer Zeit, zeigt sich ob die Lenker einer Firma in der Lage sind, das Wichtige von dem Unwichtigen zu unterscheiden, taktische Verluste in Kauf zu nehmen und strategische Ziele im Fokus zu behalten.

Die Realität sieht oft genug anders aus. Besonders im Umfeld der digitalen Transformation wird in Krisenzeiten ganz schnell das Sauerstoffzelt aufgebaut und das Große und Ganze verliert sich in einer Vielzahl von Informationen, die im Augenblick der Panik zu einem großen grauen hässlichen Brei an Sichtweisen, die von völlig absurd bis absolut sinnvoll durch die verschiedenen Gremien mäandern.

Operatives Retten vs. strategisches Durchhalten

Neben den Marketingbudgets sind es in vielen Fällen, die eher strategischen Projekte, die den ersten Etatkürzungen zum Opfer fallen. Insbesondere die strategischen digitalen Projekte werden schnell fast nur unter Ertragsgesichtspunkten bewertet und anschließend drastisch gekürzt. Offensichtlich die richtige Lösung, die meisten digitalen (ad)Ventures tradierter Unternehmen, sind ohnehin nicht mal ansatzweise eine Liebhaberei, sondern vielmehr eine halbherzige Pflichtübung, damit vermeldet werden kann, dass digitale Transformation auch im eigenen Unternehmen geschieht – ertragreich sind diese auf jeden Fall eher selten.

Zugegeben eine gewagte Aussage. Für das Gros der deutschen Unternehmen bedeutet digitale Transformation, einen digitalen Vertriebsweg für die eigenen Produkte aufzubauen. Hierbei wird aus der Not heraus, der stationäre Vertrieb auf die eine oder andere Weise eingebunden. Das ganze nennt sich dann Cross-Channel oder Omnichannel Vertrieb.

Ungeachtet der vielen bekannten Modelle, wie dann zwischen den Instanzen ( Call Center, Filiale, Web) Umsätze und Erträge hin und her geschoben werden, findet hierbei nur sehr selten wirklich eine Digitale-Transformation statt.

Im Gegenteil, der Konsument geht oft genug den Weg des geringsten Widerstands und je besser die Web-Oberfläche wird, desto stärker wird der digitale Vertriebsweg. Das ist aber nur ganz am Rande eine Transformation des Unternehmens zumindest keine, die das Unternehmen nachhaltig nach vorne bringt.

Nur weil sich ihr Vertrieb wandelt, heißt dass noch nicht, dass Sie Ihr Unternehmen zukunftssicher aufgestellt haben. 

Wie sehr dies der Fall ist, sehen lässt sich insbesondere in Krisensituationen beobachten. Hier kommen schlagartig mehrere Effekte zum Tragen, die das Dilemma des Unternehmens noch verstärken.

Ein Beispiel:

Sie sind Hersteller für Gartenmöbel und es ist ein wirklich mieser Sommer. Die Kunden verschieben geplante Käufe darauf hin und ihre Absatzzahlen brechen ein.  Was passiert jetzt mit Ihrem Omnichannel-Vertrieb?

  1. Die Umsätze brechen sowohl bei ihren Zwischenhändlern, ihren etwaigen eigenen Filialen und natürlich auch in ihrem Webshop ein.
  2. Die Kosten für den Gewinn neuer Kunden steigen vor allem im digitalen Umfeld, weil Sie noch die letzten Interessenten im Internet herausfischen müssen und gleichermaßen auch Ihre Wettbewerber brav Google füttern.
  3. Ihre Conversionrate sinkt, da viele Kunden länger warten und eventuell intensiver Angebote vergleichen. Das treibt die Vertriebskosten zusätzlich hoch.
  4. Ihre Zwischenhändler haben ein ähnliches Problem. Zumindest werden diese mehr klassische Werbung schalten müssen, um mehr Penetration beim Kunden zu erreichen. Das kostet Sie wiederum höhere Werbekostenzuschüsse.
  5. Im nächsten Schritt fangen Sie an zu sparen und senken die Marketingbudgets, was ihnen auch nachhaltig Kunden entzieht und ihre Wettbewerber stärkt.

Spätestens jetzt, scheiden sich die Geister. Die einen werden sagen – sieh an, wir haben es gleich gesagt, das wird nicht funktionieren, lasst uns wieder zurück gehen, zu dem was funktioniert hat. Die anderen werden sagen – wir müssen den Kurs beibehalten und weiter in die digitalen Kanäle investieren.

Bleiben Sie cool!

Deswegen sollten Sie in der Krisensituation anfangen, auch noch andere Einflussfaktoren zu Untersuchen und ggf. zu eliminieren. Zum Beispiel:

  1. Wie verhält sich der Markt ? Sinken die Absätze im gleichen Maße auch bei ihren Wettbewerbern?
  2. Was tun ihre Wettbewerber, um dem schlechten Sommer entgegen zu treten?
  3. Treffen Ihre Produkte den Zeitgeist ?
  4. Ist Ihr Zielpublikum noch am Leben?
  5. Verschiebt sich der Konsum lediglich? Woran könnten Sie das erkennen?
  6. Haben Sie Produkte die dem schlechten Wetter entgegenwirken ( z.B. Regenplanen, Regenschirme)
  7. Haben Sie die Möglichkeiten andere z.B. internationale Märkte zu erschliessen?
  8. Bedient Ihre Website Ihre Kunden wirklich richtig?
  9. Wo beginnt die Customer Journey ihrer Kunden und wo hört diese auf?
  10. Wird das Wetter durch günstigere Preise besser?
  11. Was wissen Ihre Vertriebspartner?

Involvieren und Innovieren

Der Denkfehler, der oft gemacht wird, ist zu wenig an den Kunden und seine wirklichen Wünsche zu denken. Die meisten Konzepte rund um die digitale Transformation beschäftigen sich auf die eine oder andere Weise damit dem Kunden alten Wein in neuen Schläuchen anzubieten. Selbstverständlichkeiten, wie „Abhol- und Retourenservices“  werden hierbei als große Errungenschaften gefeiert und die wirklich wichtigen Dinge, wie Beratung, Konfiguration, Service vor Ort,  werden übersehen. Ihr Fokus sollte darauf liegen, Prozesse zu schaffen, die sich an Ihren Kunden und deren Bedürfnissen orientieren. Sie müssen Ihre Kunden in Ihre Entscheidungsprozesse involvieren und mit diesen neues schaffen, dass begeistert. Gleichermaßen müssen Sie diese Prozesse aber auch nutzen, um grundsätzlich mehr über Ihre Kunden zu erfahren und Ihr Unternehmen danach auszurichten. Sie können zwar das Wetter nicht beeinflussen, aber die Art wie Sie Ihre Kunden damit umgehen lassen.

Groß denken und in kleinen Schritten unaufhaltsam voran!

Nur den Vertriebsapparat umzubauen, bedeutet am falschen Ende aufzuhören. Es mag komisch klingen, aber für die meisten von uns ist es kein Privileg, wenn wir ein Produkt einfach nur online kaufen können, oder simple Prozesse rund um den Kaufprozess online abgebildet bekommen. Wir leben in einer Zeit, in der wir mehr Zeit damit verbringen in unsere Smart-Phone zu starren, als zwischenmenschlich zu interagieren.

Unser Sozialverhalten hat sich bedingt durch soziale Netzwerke genauso verändert wie Kommunikation und so manches Wertesystem. Wenn Millionen auf Twitter aufschreien, hat das vor allem etwas damit zu tun, dass sie sich in der realen Welt nicht mehr ernst genommen fühlen. Das fängt schon in der eigenen Beziehung an und geht in der Arbeitswelt weiter. Zu guter Letzt, braucht der Mensch wenigstens einen Ort an dem er ernstgenommen und gehört wird.

Genau da liegt Hase im Pfeffer. Wir als Kunden wollen ernst genommen werden. Wir möchten die relevanten Informationen bekommen. Wir wollen, dass sich die Welt um uns dreht, wenn wir einkaufen und je härte wir für unser Geld arbeiten müssen, desto mehr wollen wir das.

Deswegen nehmen Sie Ihre Kunden ernst, erzählen Sie Ihnen keinen Mist und denken Sie gar nicht erst, dass ihre Kunden doch begeistert sein müssen, wenn Sie von Ihnen jede Menge Emails erhalten. Sie müssen schon etwas weiter gehen – Sie müssen das Unternehmen an sich transformieren und nicht nur den Vertrieb digitalisieren.

Seien Sie radikal. Erweitern Sie ihr Portfolio um Wertschöpfungs-Säulen. Nutzen Sie die Tatsache, dass Sie schon Kunden haben und bauen Sie darauf neue Geschäftsmodelle auf.

Bereiten Sie sich auf eine völlig neue Welt vor.

Die 6 Dimensionen des Wandels

  • Ihre Produkte
    • Wenn Ihre Produkte keinen Absatz mehr finden – erfinden Sie neue echte Mehrwerte für Ihre Kunden!
  • Ihre Preisstrukturen
    • Wenn Sie über Preissenkungen keine neuen Kunden gewinnen können, dann liegt das u.U. daran, das es gar nicht am Preis liegt.
  • Ihr Vertrieb/Transport und Struktur
    • Wenn Ihre Kunden nicht mehr zu Ihnen kommen sorgen Sie dafür, dass es sich wieder lohnt zu Ihnen zu kommen.
  • Ihre Art mit Kunden zu kommunizieren
    • Wenn Ihre Kunden Ihrer Werbung nicht mehr vertrauen, dann stellen Sie sich dem Dialog und kommunizieren Sie Dinge, die zu Ihnen passen.
  • Ihre Art über Menschen zu denken 
    • Wir Menschen sind zu jeder Zeit emotional, selbst wenn wir rational sind. Das gilt für Kunden genauso wie für Mitarbeiter. Menschen die etwas tun, woran sie glauben, machen dabei schlicht einen besseren Job.
    • Menschen die glauben, dass ein Kauf ihnen wirklich hilft, freuen sich mehr über den Kauf und kommen wahrscheinlicher lieber.
  • Ihre Art, wie Sie Prozesse für Menschen gestalten.
    • Ihre IT dient dazu ihre Kunden glücklich zu machen
    • Ihr Controlling dient dazu, neue Bezahlmethoden für Kunden zu erarbeiten.
    • Ihr ganzes Unternehmen dient dazu, Menschen zu begeistern.

 

Die 10 Tips zum Wandel für Ihr Unternehmen in Krisenzeiten

  1. Sehen Sie die Sachverhalte aus neuen Perspektiven. Es mag sein, dass es Ihnen in der Krise wichtig ist,das Betriebsergebnis zu retten. Wichtiger ist es allerdings mittelfristig das Unternehmen für die Zukunft aufzustellen, sonst werden Sie sich in den nächsten Jahren noch deutlich weiter zu Tode schrumpfen.
  2. Hören Sie auf, die Dinosaurier zu füttern. Investieren Sie nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft. Transformieren Sie Unternehmen als ganzes und stellen Sie es auf eine Zukunft ein, in der Menschen (fast) alles anders tun werden, als sie es je getan haben.
  3. Investieren Sie in Technologie, Mitarbeiter und Prozesse der Zukunft und nicht in langsame, komplexe Technologien der Vergangenheit. Denken Sie die Prozesse vom Kunden aus und sorgen Sie dafür dass Ihr Unternehmen sich daran orientiert.
  4. Versuchen Sie gar nicht erst Pontemkinsche Dörfer mit Hochglanztapete aufzubauen, wenn Ihr Wettbewerb Ihnen in den Servicedimensionen faktisch davon rennt. Selbst wenn eine Applikation oder ein Service erstmal nicht rund läuft, so mag dies immer noch besser sein, als gar keinen Service abzubilden. Wenn Sie also einen neuen Service erfinden, beobachten Sie diesen, geben Sie ihm eine Chance und messen Sie die Erfolge durch Nutzerakzeptanz.
  5. Denken Sie vernetzt, fördern Sie die kleinen und schnellen StartUps und integrieren Sie diese in Ihre Geschäftslandschaft. Erweitern Sie damit ihr Serviceportfolio und kaufen Sie diese ggf. auf.
  6. Fördern Sie ihre Mitarbeiter, motivieren Sie diese zur Weiterenwicklung. Nutzen Sie ggf. externe ( z.B. Freelancer) dafür eine  neue Lernkultur aufzubauen, in der alle Mitarbeiter nach vorne wollen.
  7. Brechen Sie Silos auf! Entscheidungen werden oft genug aus der Perspektive eines Silos getroffen und viel zu selten auf Basis einer eher ganzheitlichen Perspektive. Erarbeiten Sie mit ihren Linienmanagern ein Entscheidungs- Bewertungssystem, dass Ihr Unternehmen und den Markt reflektiert.
  8. Specken Sie ab! Ja, es mag weh tun, aber Sie werden nicht jeden mit auf die Reise nehmen können und wollen es vielleicht auch gar nicht. Aber entwickeln Sie auch hier ein Scoring System, dass Sie davor bewahrt, die falschen Mitarbeiter auf die Strasse zu setzen und wenn Sie nicht abspecken wollen – dann investieren Sie in Bildung zur Transformation.
  9. Sorgen Sie für Spaß am Erfolg, anstatt Druck durch Zahlen. Ihr Controlling verfügt nicht über den Stein der Weisen, sondern nur über einen geordneten Blick in die Vergangenheit, ohne Kenntnis aller Hintergründe. Ihre Controller werden Ihr Unternehmen nicht retten, im Gegenteil – Motivierte Mitarbeiter werden es.
  10. Innovieren Sie radikal agil. Wenn Sie den Kaufentscheidungsprozess Ihrer Kunden sezieren, werden Sie feststellen, dass es viel mehr Touchpoints gibt, als Ihnen das auf den ersten Blick bewusst war. Wahrscheinlich ist ihr Service und Qualitätsniveau an vielen dieser Touchpoints eher gering. Fangen Sie an, neue Microservices zu entwickeln, die Ihren Kunden helfen. Vernetzen Sie diese und lernen Sie aus den Daten, die Ihre Kunden hinterlassen.

 

Zusammengefasst. Füttern Sie nicht das Geschäftsmodell der Vergangenheit, sondern investieren Sie in schwierigen Zeiten in die Zukunft.

 

 

Ihre Website ist kein Projekt!

Wenn Sie ein typisches deutsches mittelständisches Unternehmen sind und gerade erst ihre neue Website zum dritten oder vierten mal für teures Geld haben neu entwickeln lassen, dann sind Sie bestimmt stolz.

Bestimmt haben Sie endlich ein paar neue Services einbauen lassen, die nicht nur Ihr Unternehmen im besten Licht erscheinen lassen, sondern auch noch gut aussehen. Das Marketing ist fast glücklich, weil das neue CD zumindest einigermaßen so umgesetzt wurde, wie es in ihren Broschüren der Fall ist und sogar der Vertrieb ist versöhnlich, weil die Kunden wenigstens die Wahl haben, ob sie in Ihren Filialen ( Vertriebspartnern) den richtigen Touchpoint gefunden haben oder halt auf der Website.

Wenn Sie richtig gut sind, dann haben Sie sogar einen geschlossenen Nutzerbereich für Kunden, mit dem einen oder anderen Service, mit dessen Hilfe Ihre Kunden gar nicht mehr mit Ihnen reden brauchen, sondern sich selber helfen können.  Weil Sie mit dem Zeitgeist gehen, haben Sie sogar einen „Mobile First“ Ansatz gewählt, bei dem Ihre (potentiellen) Kunden über ihr Mobiltelefon keine Sehnenscheidenentzündung bei der Nutzung bekommen, sondern beinahe schon Spaß an der Benutzung der Seite haben.

Natürlich ist Ihre Agentur der Meinung, man hätte das noch „cooler “ lösen können – aber das hätte das Budget doch gründlich gesprengt. Immerhin verdienen Sie ja mit der Website nur einen Bruchteil des Geldes und man muss ja die Kirche im Dorf lassen – das gibt das Projekt einfach nicht her.

 

Wenn Sie sich in den vorangegangen Sätzen wiederfinden, müssen Sie jetzt gleich sehr stark sein. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und verdauen Sie das folgende ganz in Ruhe.

Sie haben fast alles falsch gemacht! ( Das mobile Ding ist schon mal ganz gut!)

Jetzt zum Wesentlichen:

  1. Daten sind der wesentlichste Treibstoff ihres Marketing-Betriebssystems der Zukunft
  2. Ihre Website ist Teil eines komplexen Entscheidungsprozesses und nicht nur ein Outlet, Resterampe, Kontaktformular, Markendingsbums.
  3. Die Services auf Ihre Website sollten, nicht (nur) Ihnen helfen, Prozesskosten zu sparen, sondern Ihren Kunden den Entscheidungsprozess für Ihre Produkte erleichtern. ( Was wiederum Marketing & Prozesskosten senkt)
  4. Wenn Sie nicht in der Lage sind, die Gedanken ihre Kunden auf Datenebene zu verstehen, werden Sie schlicht Geld verbrennen.

„Daten haben wir doch!“  – Werden Sie jetzt sagen, irgendein armer Mitarbeiter erstellt ihnen auf monatlicher Ebene einen Report, auf dem Sie genau sehen können, wie viele Besucher Sie auf Ihre Website hatten, was diese getan und gesehen haben, wie viel Geld Sie verdient haben und wie viele „Lead“ der klassische Vertrieb über Ihre Website generiert hat. Darauf hin, wird sogar regelmäßig der eine oder andere Teaser verändert, ein Highlight Produkt ausgetauscht oder andere Veränderungen vorgenommen. Darum kümmert sich dann das Website Team. Kurzum – Sie sind zufrieden, dass die Websitetruppe tut, was das klassische Business für richtig hält.

Der springende Punkt ist, Sie fällen Entscheidungen auf Basis dessen, was Sie ohne weiteres erkennen und vor allem aus der Vergangenheit kennen. Sie gehen davon aus, dass ihre neueste Kollektion, für Ihre Kunden schlicht das Highlight ist und nichts anderes wirklich von Bedeutung ist. Ihr Marketing geht davon aus, dass die Kunden auf Ihre Produkte „eingestimmt“ werden müssen. Ihr Vertrieb weiß ohnehin am besten, was sich verkauft und was nicht. Schlimmer wird es noch, wenn Sie gar keinen eigenen Filialen haben und über einen Fremdvertrieb arbeiten, dann überlassen Sie das Schicksal Ihres Unternehmens den Einkäufern des Handels. Eben jenen Menschen, die sich schlicht gar nicht für die Bedürfnisse Ihrer Kunden interessieren, sondern vor allem für die eigene Marge. Im Klartext, sie steuern Ihr Unternehmen im völligen Blindflug und merken es nicht mal. Sie glauben, Sie können ihre Kunden steuern ? Sie glauben, ihre Kunden sind nicht kritisch, sondern wollen einfach nur den besten Preis und Ihr Vertrieb jammert ständig rum, dass man die Preise senken müsste ?

Wenn Sie das alles akzeptieren, dann gehen Sie ruhig in Rente und haken Sie das Unternehmen das Sie führen einfach ab. Denn die Akquisitionskosten der Zukunft werden Sie umbringen.

Wenn es Sie aber doch interessiert, wie sie den Sprung in die digitale Transformation hinbekommen, dann sollten Sie folgendes tun:

Die 11 grundlegenden Regeln, um Ihr Unternehmen in eine digitalisierte Zukunft zu führen.

  1. Stellen Sie sich selbst die Frage, ob Sie einfach nur eine Digitale Werbetapete ins Internet setzten wollen oder Ihr Unternehmen auf eine digitale Zukunft vorbereiten wollen. Letzteres verlangt deutlich mehr, als einfach nur eine Agentur den Job machen zu lassen.
  2. Versuchen Sie auf Ihrer Website ausschließlich Features zu implementieren, die einen offensichtlichen Mehrwert für Ihre Kunden darstellen oder notwendig sind, damit die Kunden diese Funktionalitäten auch benutzen können. Beachten Sie hierbei vor allem auch den Nutzungskontext des Nutzers, sprich zu welchem Zeitpunkt werden Ihre Kunden Ihre Website benutzen, warum und mit welchem Device.
  3. Versuchen Sie auf Ihrer Website weitestgehend Inhalte darzustellen, die Ihren Kunden helfen. Denken Sie an ihr eigenes Suchverhalten, wann haben Sie das letzte mal einen schönen Marketingtext bei Google gesucht?
  4. Jede dieser Applikationen sollte mit klaren Zielen versehen sein, anhand derer Sie messen können, ob die Kunden diese auch wirklich benutzen. Hierbei sollte es sich nicht nur um einfache „Ja/Nein“ Ziele handeln, sondern auch intermediäre Ziele sollten aufgebaut werden.
  5. Optimieren Sie diese Features im Laufe der Zeit, wenn entsprechende Lerneffekte aufgetreten sind. Eines sollte Ihnen sozusagen dogmatisch vor
  6. Versuchen Sie nicht alles auf einmal zu bauen. Auch wenn es wirklich weh tut mit einem geringeren Funktionsumfang live zu gehen. Zu viele Features sind schwerer zu messen und zu analysieren als sie denken.
  7. Fokussieren Sie sich bei Ihrer Infrastruktur, vor allem erstmal darauf Tools einzukaufen, die Ihnen mehr über das Verhalten Ihrer Kunden verraten und das vor allem auch qualitativ und nicht nur quantitativ.
  8. Stellen Sie Menschen ein, die E-Business verstanden haben und nicht zwangsläufig solche, die aus Ihrer Industrie kommen. Hier sollten Sie bedenken, dass es eine Sache ist, zu verstehen wie man Möbel, Reisen, Kleidung etc. verkauft, aber eine ganz andere eine komplexe E-Business Infrastruktur aufzubauen. Sie sollten mittelfristig in der Lage sein, ohne externe Berater klarzukommen.
  9. Setzen Sie die Kosten und Erlösrechnung für Ihr Vorhaben so auf, als würden Sie innerhalb der kommenden 10 Jahre ein völlig neues Geschäftsmodell aufbauen wollen.
  10. Setzten Sie auf prozessuale Qualität. Versuchen Sie dabei nicht, Ihre internen Prozesse einfach nur abzubilden, sondern vielmehr diese zu vereinfachen. Sie sollten sich immer die Frage stellen, ob Ihre Großmutter auch in der Lage wäre zu verstehen, was sie von Ihnen wollen, würde sie das nicht, ist ihr Prozess eher nicht Konsumentengeeignet.
  11. Zu guter letzt sollten Sie sich vor allem immer wieder eines fragen – „Was werden Ihre Kunden in 5 -10 Jahren von Ihnen erwarten?“  Im Klartext, es macht keinen Sinn, wenn Sie heute beginnen, eine Website zu planen, die bei Fertigstellung bereits technisch und funktional veraltet ist. Was Sie brauchen ist eine skalierbare Infrastruktur, die es Ihnen ermöglicht, schnell auf den Markt, Ihre Kunden und die technischen Möglichkeiten zu reagieren, ggf. sogar der Zeit ein wenig voraus zu sein. Wenn Sie also Systeme einkaufen, achten sie darauf, dass Sie vorher wissen, was sie vor haben und nicht erst nach dem Einkauf von CMS, Shopsystem, Serverinfrastruktur etc. feststellen, dass diese gar nicht zu Ihren Zielen passt

Wahrscheinlich haben Sie jetzt den Eindruck gewonnen, dass Ihre Website eine „Endlose Geschichte“ wird. Gut, denn genau so ist es!

Wenn Sie die obigen Tips beherzigen, sollte es Ihnen zumindest möglich sein, mit einem vernünftigen Kosten-Nutzenverhältnis einen initialen Setup Hinzubekommen.

Was aber im Nachgang geschieht, ist nicht minder wichtig. Denn genauso wie Ihr gelerntes Offline Geschäftsmodell immer mal wieder optimiert und angefasst werden musste, so wird dies auch mit Ihrem digitalen Geschäftsmodell geschehen.

Digitale Hebeleffekte- Was ist wichtiger ist als Profitabilität?!

Die machen ja alle gar keinen Gewinn!

So oder so ähnlich haben sich in den letzten Jahren die Kommentare zu digitalen Unternehmen angehört. Die Hoffnung, dass das eine oder andere Dot.com einfach so vom Markt verschwindet, war groß. Bedingt durch das Platzen der Dot.Com Blase im Jahr 2001 erschien diese Hoffnung auch recht begründet.  Doch zum einen haben die digitalen Unternehmen dazu gelernt und zum anderen hat sich ein digitaler Lebenswandel längst in unser aller Alltag verankert. Schon lange ist die kritische Menge an Menschen mit Internetzugang erreicht, mobile Internetnutzung ist dank Smartphones völlig alltäglich und die Kunden haben ihre Erwartungshaltung an Service deutlich verändert. Heute gehören digital Player zu den erfolgreichsten Unternehmen der Welt.

Amazon hat es aus dem Nichts in weniger als 20 Jahren zum größten Handelsunternehmen der Welt entwickelt. Google ist zum Startbildschirm und Software-Anbieter geworden, der unsere geheimsten Wünsche und Gedanken kennt und Facebook verbindet fast 2 MRD Menschen auf dem Planeten über 6 Ecken miteinander.

Unternehmen, die es seit über 100 Jahren gab, verfallen zur Bedeutungslosigkeit weil sie im Kern der Wertschöpfung oder einfach an vielen Ecken angegriffen wurden und werden. Prominente Beispiele für das fulminante Verschlafen der Digitalen Wertschöpfung sind in fast allen Branchen zu finden, Fotoindustrie, Videotheken, die Verlagsbranche, Elektrohandel, Musikindustrie, Spieleindustrie hatten die ersten Opfer der eigenen Sturheit zu beklagen. Kodak, Nokia, die Gelben Seiten sind nur einige Beispiele für einstige Größen und die nächsten Opfer warten im Einzelhandel, Lebensmittel-Einzelhandel, Finanzsektor und Tourismus. Selbst die Automobilindustrie steht vor dem wohl größten Wandel aller Zeiten, da die eMobilität und selbstfahrende Autos das Autofahren als solches von Grund auf verändert.

Ob intelligente Autoreifen, die Uhren die unsere Körperfunktionen erkennen oder Chips unter der Haut, die den PinCode und Haustürschlüssel ersetzen das Internet dringt nicht nur in unser Informationsverhalten vor, sondern auch in die Dinge die wir benutzen und sogar unter unsere Haut.

Das Internet geht eben nicht mehr weg!

Doch auch heute noch verbrennen viele Internet-Unternehmen reichlich Geld, viele schaffen es nach wie vor nicht innerhalb der ersten 3 Jahre eine Relevanz am Markt zu erobern. Manche haben es geschafft, sind zu echten Größen aufgestiegen und sind trotzdem noch nicht profitabel. Trotzdem halten Investoren still, investieren weiter und nehmen sinkende Verluste sogar mit Wohlwollen wahr, anstatt in Panic zu verfallen.

Was ist also das Geheimnis der digitalen Ökonomie ? Was rechtfertigt Investitionen in Milliardenhöhe ?

Wie konnten wir das übersehen?

Digitale Unternehmen kalkulieren offensichtlich anders. Anstatt auf ein organisches Wachstum zu setzen, dass über viele Jahre und langsame Evolutionsstufen zu einem strukturierten  Unternehmen führt, setzen digitale Unternehmen auf andere Erfolgsfaktoren.

Skalen-Effekte der digitalen Wertschöpfung

Ein digitales Unternehmen arbeitet üblicherweise nicht über Absatzmittler anderen Tätigkeiten komplexe Verträge gebunden sind, sondern stellt die Verbindung zwischen Menschen und Produkten/Services her. Ist also oft genug selber der Absatzmittler oder Service-Anbieter, in vielen Fällen ist das digitale Unternehmen aber auch Hersteller und Händler in einer Funktion. In dieser Konstellation ist der Kontakt zu Endkunden überlebensnotwendig. Aktive Kunden/User sind die Grundlage jeglichen Skaleneffektes. Sie sind der Quell der Inspiration für neue Entwicklungen, oft die einzige Erlösquelle und vor allem auch die einzige Versicherung für das Fortbestehen des Unternehmens.

Der wesentlichste KPI eines digitales Unternehmens ist somit Wachstum in Form von neuen Kunden und verbesserten Kundenbeziehungen. Alles was das Unternehmen tut, dreht sich darum in diese Beziehung zu investieren, den Kunden zuzuhören, diese zu verstehen und neue Services an den Bedürfnissen der Kunden zu orientieren. Hierbei ist vor allem aber auch das „Halten“ der Kunden noch wichtiger als das generieren neuer Kunden über Werbewege. Hintergrund dessen sind die Akquise-Kosten. Auch wenn viele Services neu sind, so müssen sie sich doch in bestehenden Märkten neu positionieren. Dementsprechend sind auch die Kosten für die Gewinnung neuer Kunden verhältnismäßig hoch.

Kundenbindung wird hierbei keine Informations-Einbahnstraße. Die Bindung wird vor allem durch ständige Verbesserung und Innovationen erreicht, die auf dem Feedback der User und WebAnalyse-Daten beruhen. Das initiale und folgende Vertikale werden somit immer weiter in Funktion und Usability ausgebaut.

Vertikalisierung ist der zweite wesentliche Wachstumsmotor eines Digital Pure Players. Vertikalisierung bedeutet hierbei den etappenweisen Ausbau der eigenen Produktpalette mit neuen Warensegmenten oder Services.  Jedes neue Vertical profitiert dabei von der Vorarbeit der vorangegangenen und hat somit sofort eine Vervielfachung der Transaktionsgelegenheiten. Je mehr Vertikals ein digitales Unternehmen aufbaut, desto mehr Touchpoints mit Kunden baut dieses auf. Beispiele hierfür sind Google, Apple und Amazon.

Dreigestirn der Skaleneffekte

eCommerce skaliert unmittelbar mit dem Werbeeinsatz. Auch wenn diese Behauptung nur bedingt stimmt, so haben die Werbekosten und die Art der Werbung einen erheblichen Einfluss auf das zu erwartende Wachstum. Hintergrund dessen ist, dass viele Dot.Coms nicht das Vertrauen von Konsumenten geniessen und zunächst eine Marke aufgebaut werden muss.  Vertrauen ist allerdings ( neben der Availability of Product) der wohl wichtigste Konversions-Treiber. Im Klartext, Ihr digitaler Commerce Funnel, kann noch so schlecht oder gut funktionieren, wenn Ihnen/Ihrer Marke Ihre Kunden nicht vertrauen, dann werden Sie nichts verkaufen. Werbung ist somit durchaus der treibende Faktor für einen Skaleneffekt. Hierüber dürfen aber die ersten beiden Faktoren nicht übersehen werden.

Die Checkliste zur digitalen Transformation oder neulich bei den anonymen Digitalisten

Letzte Woche war ich mal wieder auf der NEXT in Hamburg. Wie jedes Jahr, war diese auch wieder ein Event der Spitzenklasse und somit auch ein Quell der Inspiration und Reflexion.

Natürlich kam auch Networking nicht zu knapp und so fand ich mich mit alten und neueren Mitstreitern der Digitalwirtschaft am Mittagstisch wieder. Die Themen waren klar geprägt, von den Themen der Konferenz. Die ethischen Aspekte künstlicher Intelligenz, selbständig fahrende Autos, Appification und vor allem auch der kulturelle Wandel innerhalb der Unternehmen, der uns alle in den letzten Jahren geprägt hat.

Spätestens bei diesem Thema setzte die eine oder andere Gedenkminute ein. Wir alle am Tisch waren geprägt von schönen, aber teils sehr gruseligen Erfahrungen. Gute Konzepte die abgelehnt wurden, Projekte die einfach in der Mitte gestoppt wurden, Kunden und eigene Unternehmen die immer wieder die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben, oder diese schlicht ignoriert haben.

Am Abend wieder im Hotelzimmer, folgten einige nachdenkliche Momente.

Zugegeben, als Kind der new Economy, habe ich in den letzten Jahren häufig den Arbeitgeber gewechselt. Das eine oder andere mal aus Frustration über eben nicht erfolgten oder fehlgeleiteten Wandel, oft aber auch aus Neugierde auf genau den Prozess der Veränderung, der soviel Spannung, empirische Erfahrung und auch Geschwindigkeit mit sich bringt. Oft genug, war es eben die Wucht des Wandels, die wie ein Rausch alles beschleunigte.

Der Haken an diesem Rausch ist, dass man leider auch den einen oder anderen Fehler macht. Diese Fehler bestehen darin, dass an vielen Stellen die Zeichen der Zeit nicht erkannt, inkonsequente Entscheidungen getroffen werden und zu krampfhaft an alten Wertmodellen festgehalten wird.

Oft liegt es auch einfach daran, dass man mit den bestehenden KPI eines tradierten Unternehmens die Zeichen der Zeit nur bedingt erkennt. Vor allem dann, wenn neue Wettbewerber nach anderen Maßstäben agieren und somit erstmal nicht als solche Erkennbar sind.  Die folgende Checkliste sollte helfen einen ersten Eindruck der Dringlichkeit eines Wandels festzustellen.

Consumer centricity Check

  • Ist Ihre Organisation so aufgestellt, dass Sie die Bedürfnisse Ihrer Kunden kennen und alles tun, um diese zu befriedigen?
  • Beschäftigen Sie sich aktiv mit Service Design ?
  • Haben Sie eine Customer Experience Strategie?
  • Verändern Sie Produkte, Preise, Services, Standorte auf Basis des Verhaltens Ihrer Kunden?

Business model Check

  • Wird Ihr Geschäftsmodell von anderen evtl. sehr kleinen Unternehmen sukzessive angegriffen?
  • Wenden sich Dienstleister oder Absatzmittler gegen Sie und bieten Ihre Dienstleistung an?
  • Bis zu welchem Anteil lässt sich ihr Geschäftsmodell sinnvoll abbilden?
  • Die Leistungsfähigkeit und Wachstum ihres Flächenvertriebs

Webbiness Check

  • Verfolgt das Top-Management eine Digitalisierungs-Strategie
  • Versteht das Top-Management die Einflüsse der Digitalen Wertschöpfung?
  • Wie viele Mitarbeiter arbeiten in Ihrem Unternehmen an der digitalen Transformation?
  • Wie hoch ist ihr rein digitaler Umsatzanteil im aktuellen Jahr?
  • Ist die digitale Transformation als Querschnittsbereich in Ihrem Unternehmen aufgehängt?

IT-Infrastructure future orientation check

  • Sind ihre kundenführenden Systeme Web-Basiert ?
  • Können Sie mit der Vielzahl an Daten aus dem digitalen Geschäfts umgehen?
  • Haben Sie ihre Sourcing-Prozesse bereits digitalisiert und automatisiert?
  • Arbeiten Sie agil ?

Process Check

  • Können Sie ihre Prozesseschnell den sich verändernden Marktgegebenheiten anpassen?
  • Können Sie schnell auf Preisveränderungen am Markt reagieren?
  • Können Sie schnell neue oder verbesserte Produkte auf den Markt bringen?
  • Haben Sie ihr Vertriebsmodell wirklich in allen sinnvollen Instanzen ausgebaut?

Culture Check

  • Verträgt ihre Organisation Ehrlichkeit?
  • Verstehen Ihre Mitarbeiter, dass diese aktive Teilnehmer am Wandel sein müssen?
  • Haben Sie bereits entsprechende Programme ins Leben gerufen?

Structure Check

  • Haben Sie einen Botschafter der digitalen Welt ( Chief Transformation Officer oder Chief Digital Officer) im Vorstand?
  • Können Sie mehr als 10% Ihrer Belegschaft der Digitalisierung Ihre Unternehmens zurechnen?
  • Funktionieren die Schnittstellen zwischen der digitalen Welt und dem Rest des Unternehmens?
  • Hängt immer noch 90% ihres Vertriebs an regionalen Vertriebsstrukturen?

Competitor Check

  • Verstehen Sie das Geschäftsmodell Ihrer Wettbewerber?
  • Haben sie das effizientere Geschäftsmodell?
  • Kann Ihr Geschäftsmodell leichter skalieren als das Ihrer Mitbewerber?

Wenn Sie bei den obigen Fragen, zu mehr als 50% mit Nein antworten mussten, können Sie sicher davon ausgehen, dass Ihnen ordentlich Arbeit in den kommenden Jahren ins Haus steht.

Digitale Transformation

Fast 20 Jahre ist es her, dass ich meine erste Website für ein Unternehmen entwickelt habe.

Damals war ich noch Entwickler, Designer, Konzepter und Redakteur in einer Person. Es bedurfte auch nicht viel mehr, denn damals spielte es noch keine Rolle, ob es sich um einen guten oder schlechten Webauftritt handelte, viel wichtiger war es, dabei zu sein. Der Fokus war klar, Produkte, Preise und Informationen sollten der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Der Haken war natürlich, es gab gar keine breite Öffentlichkeit.

Die Jahre gingen ins Land und mit den Projekten wuchs auch die Erkenntnis, dass erfolgreiche Webseiten viel mehr sind, als nur simple Publikationsflächen und Bauchläden für Unternehmen. Viel mehr sind diese eine Schnittstelle zwischen Menschen und Unternehmen, die dem Konsumenten die Inanspruchnahme von Services ermöglichen.

Die Herausforderung besteht dabei allerdings nicht darin, einfach nur unternehmenseigene Datenstandards in ein halbwegs ansprechendes Format zu bringen und dieses dann dem Kunden anzubieten, sondern viel mehr über die Maße hinaus, die eigene Wertschöpfungskette an den Bedürfnissen der Kunden zu orientieren.

Was auf den ersten Blick wie ein alter Hut klingt, gibt es doch schon Marktforschung, Gästefragebögen, TQM etc., ist in Wirklichkeit ein deutlich höherer Anspruch, als die pure Publikation von Marketing-Inhalten.

Digital Pure-Player wie Google, Apple, Facebook und Amazon haben sich bedingt durch eine konsequente permanente Messung von Kundenverhalten zur den maßgeblichen Accessprovidern und Gateways für Kundenbedürfnisse gemacht.

Reaktionsgeschwindigkeit und Empathie für Kundenbedürfnisse sind dabei essentielle Treiber für die Kultur und damit auch die Wertschöpfung dieser Unternehmen.

Kurzum es ist nicht einfach damit getan, eben auch eine Website, einen Shop oder eine Facebook Seite aufzubauen. Vielmehr bedarf es auch der Kultur, der Prozesse und der Manpower im Hintergrund.

Weiterhin müssen die unterschiedlichen Spezialdisziplinen so orchestriert werden, dass die unterschiedlichen Wissensfelder in der digitalen Wertschöpfung Synergien entwickeln können.

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