Time to say F… O.. to Facebook!

Facebook – es ist aus zwischen uns!

Liebes Facebook, 11 Jahre haben wir miteinander verbracht. 11 Jahre, in denen Du immer für mich da warst! Wenn ich einsam war, wenn ich mit Freunden zusammen schönes erlebt habe, wenn ich mich geärgert habe und wenn es Erfolge zu feiern gab.

Als mein digitales Tagebuch und Poesiealbum, hast Du mich stets treu begleitet.

Dein Newsfeed hat mich zum nachdenken gebracht , mir die Zeit vertrieben, mir so manches schallendes Gelächter beschert, sowohl auf meiner Seite,  als auch auf der meiner Freunde. Du hast mich mit Menschen in Kontakt bleiben lassen, die ich sonst bestimmt aus den Augen verloren hätte und mir so viel positives Feedback eingebracht.

Zugegeben, Du bist mir wichtig. Über die Jahre hinweg, bist Du nicht nur der Dreh- und Angelpunkt meiner Freundschaften und Beziehungen geworden, hast sogar dazu beigetragen meine Mutter ein Stück weit ins digitale Zeitalter zu bringen, du bist auch zum inhaltlichen Bindeglied zwischen mir und so manchen „Geschäftsfreund“ geworden, denn wir diskutieren hier all zu oft das Schicksal der digitalen und politischen Zukunft.

So hat sich Freund und Business mit einander verbunden, Inhalte, Meinungen, Fakten sind zu einer großen Gemengelage geworden, die sich in Diskussionen kaum noch auseinander halten lässt und so manche Geburtstagsfeier oder Firmenevent, wäre ohne dich kaum noch organisierbar.

Gemeinsam haben wir uns über die Jahre weiter entwickelt.

Du funktional, ich inhaltlich, Du qualitativ und ich charakterlich. So stehen wir heute da  und blicken in unterschiedliche Richtungen. Du denkst Du weißt alles über mich und ich habe dich durchschaut und das was ich sehe, ist nicht das was ich mir wünsche.

Streng genommen, müsste ich sogar andere vor dir warnen, denn du hast nicht nur mich verführt, sondern auch viele andere und auch wenn die anderen es wahrscheinlich nicht hören wollen, so will ich doch versuchen zu erklären, warum die Welt ohne dich eine bessere Welt ist.   

Oh Facebook, ohne dich wird mein Leben so unglaublich viel schwerer. Und doch es ist aus!  – Zeit getrennte Wege zu gehen.  

Warum ? das erkläre ich Dir gerne!

Willkommen in der Matrix!

Es ist gute 11 Jahre her, da mich mein guter Freund Niels Schuldt zu Facebook eingeladen hat und meinte, ich solle mir das unbedingt ansehen, da Facebook etwas ganz Großes werden würde. Ich muss zugeben, ich habe nicht mal im Ansatz geahnt, wie sehr er recht behalten sollte.  Ich nahm die Einladung an und ehe ich es mich versah, hatte ich die ersten 50 Freunde, vornehmlich aus dem Ausland. Ich konnte an deren Leben teilnehmen und schon war das Alumni meines Studiums zum Leben erwacht.

Wahrscheinlich kann sich jeder an den Film „Matrix“ erinnern. In dieser Science-Fiction Reihe, werden Menschen von Maschinen gezüchtet, um die Energie zu produzieren, damit die Maschine weitere Maschinen bauen kann.

Weil wir Menschen aber ohne Gehirnaktivität nicht leben können, erschafft die Maschine eine künstliche Welt, in der uns Träume eine Realität vorspielen, die uns glauben macht, wir würden in dieser Leben. Zwar ist nichts von dem was wir erleben wirklich real, aber so lange wir glauben, dass dies der Fall ist, können wir existieren.

So ähnlich ist das auch bei Facebook. Unsere Vorliebe für Katzenvideos und unsere Ängste vor Einwanderung ( ob Wölfe oder Flüchtlinge ist völlig egal)  definieren unsere Filterbubble und so machen wir den Inhalt selbst, die Matrix definiert dabei die Regeln, mit wem wir interagieren. Das Ganze hat aber nur einen Zweck – unsere Daten, Emotionen, Verbindungen, Gedanken und Meinungen als Ressource zu nutzen um Geld zu verdienen – unglaublich viel Geld sogar.

Facebook ist heute die wahrscheinlich effektivste Werbemaschine auf dem Planeten, denn Sie erschafft die Realität von der wir glauben wollen, dass sie real ist und Facebook misst dabei alles, unsere Gedanken, unsere Beziehungen unsere Interessen, was wir mögen und was wir offensichtlich verabscheuen. Es erfasst unsere Vergangenheit und das heute und prognostiziert unsere Zukunft treffsicherer als jedes Horoskop, kleiner Scherz, vielmehr als jeder Psychoanalytiker, denn hinter Facebook steht ein Algorithmus der uns gläsern macht, der uns nackt macht und viel empfindlicher als wir denken, denn er nutzt all unsere Träume, Hoffnungen und Ängste aus, um uns noch mehr gezielt relevante Informationen zukommen zu lassen.

Mit Tiervideos fing es an und mit Politik ging es weiter. Das Lesen von Gedanken in Echtzeit  ist schon projektiert und somit ist Facebook die wahrscheinlich beste Interpretation der Matrix Idee, die es gibt. Dabei dient die Matrix vor allem der Matrix und nicht den Menschen. Es geht darum Gewinne zu erzielen. Shareholder zu befriedigen und zu wachsen. Die Poleposition im Rennen der Technologie-Giganten  wird jedes Jahr neu verteilt und Facebook will da hin. Die Frage hierbei ist nun, welche Pille es sein darf? die Rote oder die  Blaue?

Als jemand der seit über 20 Jahren im Umfeld der Digitalisierung arbeitet, muss ich leider zugeben, dass ich mich lange geweigert habe die „Rote Pille“ des Begreifens -zu schlucken. Vielmehr habe ich mir sogar Mühe gegeben, Facebook bei der Verbreitung zu helfen. Ich habe kritiklos ( zumindest fast) jede Innovation begrüßt, mich darüber gefreut, dass Facebook eine noch bessere Arbeitsplatform für mich wurde und hatte oft genug darüber sinniert, ob es nicht sogar sinnvoll sei, die Arbeitsprozesse eines Unternehmens über Facebook abzubilden. Denn klar, Facebook hat das Potential Menschen zu verbinden, Ideen über unterschiedliche Formate auszutauschen und somit Menschen die Kolaboration zu erleichtern.

Allerdings ist dies nicht der Unternehmenszweck. Der Unternehmenszweck von Facebook ist es Werbung zu verkaufen. Die Key-Metrik hierbei lautet Cost per Click und am Ende Cost per Conversion. Damit diese Metriken besser sind als bei Google und anderen braucht Facebook ein System, mit dem es uns besser einschätzen kann, gläsern machen kann und somit dient alles, was uns Facebook bietet, immer nur dem einen Ziel, den Honig auszulegen, auf den wir fliegen und unsere Daten da lassen.

Ob uns das gut tut oder nicht, ob Facebook uns vor ungewollter Gehirnwäsche schützen könnte, das spielt keine Rolle denn das trüge nur sehr indirekt zum Umsatz und Wachstum bei.

Dante neu Gedacht!

Hätte es Facebook zur Zeiten von Dante Alighieri schon gegeben, so wäre es seiner Definition der Hölle mit ihren 9 Ebenen durchaus nahe gekommen.

Der letzte Kreis wird von Dante in dessen göttlicher Komödie als gefrorener blauer See bezeichnet, in dem die Seelen der schlimmsten Sünder eingefroren sind, auf dass Sie ihre Sünden immer und immer wieder aufs Neue emotional durchleben können/müssen – auf Ewigkeit.

Diese Ebene ist den Sündern vorbehalten, die Ihre liebsten getäuscht und betrogen haben. Und so tauchen wir ein, jedes mal, wenn wir unser reales Leben verlassen und in unser Handy starren um im „Blauen See“ zu schwimmen, hintergehen wir unsere Liebsten und begeben uns in die virtuellen Traumwelten, einer Blase voller Emotionen, die ja so viel wichtiger sind, als das was uns direkt umgibt.

Was heute als gesellschaftlich akzeptiert gilt, nämlich kaum noch miteinander zu sprechen, wenn man gemeinsam beim Essen oder anderen Aktivitäten ist, ist vielmehr als nur ein Stilbruch.  Seit Uhrzeiten dienen Rituale dazu, Menschen zusammen zu bringen. Gemeinsames Essen ist viel mehr als nur Nahrungsaufnahme, es dient dem Zusammenhalt des Stammes, dem Austausch von Erlebnissen und Erfahrungen.  Wenn wir heute lieber durch unsere Timeline surfen, als mit unseren liebsten zu sprechen, dann betrügen wir diese und uns selbst, weil wir uns gegenseitig die Zeit für einander stehlen.

Warum ist das eigentlich möglich ? Nunja, weil unsere Filterblase, die Timeline und unsere Freundesliste einen Teil der obigen Aufgaben übernommen hat. Die Filterblase steuert ständig relevante Themen ein und dank der Diskussionsfreudigkeit jedes einzelnen vergessen wir schnell die Menschen um uns herum.  Schon sind wir gefangen und vergessen die Menschen, die uns eigentlich nahe stehen.

Outrage ist das neue Porno!

In den letzten 3 Jahren haben ich diese Filterblase systematisch modifiziert, damit experimentiert und immer wieder neue Themen absichtlich in den Vordergrund gehypt. ( hiermit bitte ich um Entschuldigung für die vielen Anti-Trump Postings, an Umweltschutz glaube ich allerdings wirklich)

Ich habe mich selber zum Versuchskaninchen gemacht und mich immer wieder erschreckt, wie leicht man monothematisch bestrahlt wird und immer wieder in seiner Meinung bestärkt wird, selbst wenn einem diese eigentlich völlig sonst wo vorbeigehen. Dass Belohnungszentrum in unserem Gehirn, spielt dabei völlig verrückt, denn wann immer wieder ein Artikel kommt, der unser Kopfkino bestätigt, freuen wir uns und schon manifestiert sich eine gedankliche Welt.

Marketing-Strategen nennen das Content Marketing, ich würde es eher als professionellen Gehirnfick  oder halt „Outrage Porn“ bezeichnen. Outrage vor allem deshalb, weil wir mit den Aufreger- Themen konfrontiert werden, die tief in unser lymbisches System eingreifen und den Kern unseres Wertesystems treffen.  

Denn, Du bist was du glaubst und du glaubst, was Du nicht weißt, sondern fühlst.

Und genau hier liegt das Problem. Wir Menschen fühlen!!! Wir haben wenig Zeit zum tiefgründigen Denken, aber viel Zeit für Gefühle.  Die Maschine füttert uns, Sie gibt uns den Stoff den wir so dringend brauchen, Gefühl durch Inhalt, Themen die uns beschäftigen sind dabei die Spezialdiät für noch mehr Zeit im blauen Datenteich, durch den wir jeden Tag schwimmen und dabei mit anderen interagieren.  Je stärker uns ein Thema aufregt, gegen unser Wertsystem verstößt oder in einer anderen Art emotional berührt, desto leichter ist es

Unser Rückenmark in Wallung zu versetzen und damit unser Gehirn davon abzuhalten das Wahrgenommene in Ruhe zu durchdenken. Was dann passiert ?

Die Hölle, das sind die anderen!

Wer kennt das nicht, das hat man dieses eine Thema, bei dem es einen doch wie Schuppen von den Augen fallen muss – „Die anderen müssen das doch sehen???!!!!“ Sei es Flüchtlinge, der Umweltschutz, SUV’s und Dieselgate oder …oder… oder.

Jede Woche wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben und je stärker die Themen polarisieren, desto heftiger reagieren wir, unsere Filterbubble und auch die Diskussionen die wir führen. 

Mit Rationalität haben die Diskussionen schon lange nichts mehr zu tun, sondern es prallen Meinungen ohne fundierte Ahnung und Fakten aufeinander und führen zu teils völlig absurden Diskussionen in deren Folge, Freundschaften zerbrechen oder noch viel schlimmeres.  Aber wie sollte es auch gehen, unsere Welt ist komplex, mit vielen Abhängigkeiten, die kaum zu überschauen sind. Das eine ergibt das andere und so wird jede Diskussion schnell zum Glaubenskrieg, weil Meinung, eben nicht Wissen bedeutet und Wissen eher weniger etwas mit Spontanität zu tun hat.

Unsere Diskussionkultur verändert sich in diesem Kontext zunehmend, diese wird härter und zerstörerischer, vor allem aber absolutistischer. Wer einst Jean-Paul Sartres Version der Hölle gelesen hat, wird hier durchaus parallelen entdecken. In dessen Buch finden dabei zwei wesentliche Dinge statt. 1. Wenn alle die Chance haben zu gehen, bleibt trotzdem jeder, weil die Angst vor dem Unbekannten da draußen größer ist, als die Pein in der Hölle. 2. Am Ende findet keine Kommunikation mehr statt, die auf ein gemeinsames Ziel einzahlt. Vielmehr bilden sich kleine Gruppen, die vornehmlich einer Meinung sind.

Ich habe mir in den letzten Monaten bewusst eure Profile und die diversen Diskussionen angesehen und auch meine „Diskussionspartner“ immer mal wieder kritisch hinterfragt.

Hierbei habe ich gezielt Themen eingestreut, die polarisieren und versucht Reaktionen zu bewirken, ich habe provoziert, hinterfragt, gestichelt und auch mal Streit provoziert, mit Antithesen. Ja, ich habe meine Audience als Versuchskaninchen missbraucht, um Reaktionen zu testen.

Wie konnte ich nur? Oh, das war sehr einfach.  

Bei über 900 „Facebookfreunden“ ist die tatsächliche Peergroup mit der ich täglich interagiere, deutlich kleiner, als ich mir das gewünscht hätte. Vielmehr ist mir auch aufgefallen, dass viele so gut wie gar nicht interagieren, eher nur noch lesen, kaum noch „Teilen“ und immer weniger an Diskussionen teilnehmen. Somit greift immer mehr die klassische 1/99 Regel, nach der nur 1% der Teilnehmer einer Community tatsächlich an der Gestaltung dieser Teilnehmen.

Hier kommt erschwerend hinzu, dass bei Facebook ohnehin nur 1/16 aller Freunde mitbekommen, was man so tut. Weil der Algorithmus die Themen nach Relevanz und Reaktion steuert.

Das bedeutet für mich aber auch, dass Facebook seine Relevanz als Freunde-Netzwerk sukzessive verliert und zur Nachrichten und Werbeschleuder mutiert.

Wenn ich also ein Thema hochkochen wollte, habe ich mir diesen bewusst an bestimmte Teilnehmer ausgesteuert und gewartet, was passiert.

Warum eigentlich ?

Zunächst einmal hat mich interessiert, wie Facebook wen ansteuert und wie Menschen auf diese Inhalte reagieren. Mich hat die Diskussionskultur interessiert und wie so mancher meiner „Freunde“ funktioniert.

In den letzten 3 Jahren habe ich hier sozusagen zusehen können, wie sich die Gesprächskultur verändert, härter und absoluter wird, geschlossener und oft auch vollkommen unsachlich.

Worthülsen übertünchen Fakten und je häufiger eine Lüge wiederholt wird, desto eher wird sie geglaubt.

 Wenn ich mir dann die Diskussionkultur ansehe, wäre ein gelegentliches „Fresse halten“ (auch meinerseits) durchaus angebracht. Dies trifft insbesondere solche Kandidaten, die vor allem durch ein großes Sendungsbewusstsein in sozialen Medien auffallen und weniger durch das Antizipieren anderer Standpunkte oder sogar durch „Zuhören“. Im Gegenteil so mancher selbsternannte Prophet da draußen ist meines Erachtens nichts anderes als ein Kneipendummschwätzer, dem Facebook leider eine Plattform geboten hat, um Dinge loszuwerden, die in ihrer Form zwar unterhaltsam sind, aber im Inhalt eher schwach. 

Hier setzt für mich Kultur an, wenn wir eine Kultur fördern, in der es nicht mehr wichtig ist, „was“ Menschen sagen, sondern nur noch „wie“ dann brauchen wir uns auch nicht zu wundern, wenn Populisten die Macht übernehmen. Verstehen beginnt mit Zuhören und wenn die Hölle nicht die anderen sein sollen, dann beginnt es bei jedem selbst, zu überprüfen, was vor sich geht.  

Kultur – Der Feedback Loop aus der Hölle!

Was waren das noch für Zeiten, als wir uns über Katzenvideos und Comics amüsieren konnten, in denen es die täglichen Banalitäten waren, die Treiber für den Erfolg des „sozialen Netzwerks“ waren.  Selbst „Selfies“ waren am Anfang noch angenehm, weil man das Gefühl hatte am Leben anderer teilnehmen zu können. Doch dem kurzen Blitzlicht folgte die Bestätigung durch Likes und Herzchen und Kommentare und wie wir Menschen nun mal veranlagt sind, genießen wir das Feedback, ja wir brauchen es sogar als korrektiv und so werden wir süchtig danach, Feedback zu erhalten  (positives vor allem) und schon teilen wir jeden Mist, Hauptsache wir bekommen ein Leckerli dafür und unsere Eitelkeit wird durch den virtuellen Spiegel gefeatured. Sigmund Freud hätte auf Facebook seine ganze Freude gehabt.

Doch heute sind es andere Nachrichten und Themen, die vor allem die Verhältnismäßigkeit zwischen Menschen dominieren und viele davon sind nicht lustig. Vielmehr bekommt man den Eindruck, dass eigentlich alles, was auf dem Planeten geschieht, nur noch negativ ist. Um ehrlich zu sein, ist das was ich wirklich negativ empfinde, vor allem das, dass Menschen anstatt miteinander zu sprechen, nur noch in ihr Handy starren und der Entzug des WLANS für  Katastrophenstimmung sorgt.

Klar gibt es Themen die sind ernst, zum Beispiel die Art wie wir unseren Planeten behandeln, aber hey solange wir das neueste iPhone dazu benutzen uns darüber aufzuregen, ist doch alles gut. Wen kümmert es schon, dass Familien kaum noch miteinander reden, dass in Bewerbungsgesprächen gestresste Manager unbedingt ihre Mails checken müssen und noch bis spät in die Nacht erreichbar sind ? Solange ganze Landstriche verwüstet werden, damit wir bessere Akkus erhalten und die Rohstoffe in unseren Smartphones billig abgebaut werden können, ist alles in Butter, wichtig ist nur, dass es nicht direkt vor der Haustür geschieht, denn wo kämen wir denn hin, wenn uns die Realität einholen würde?

Aber zurück zur Matrix, äh Facebook!

Wir teilen jeden noch so großen und unreflektierten Mist, in dem Glauben, das dieser schon irgendwie stimmen wird und stellen gleichzeitig große Nachrichtenmagazine in Frage, deren Validität wir durch unsere eigene Wahllosigkeit und unsere Gier nach Sensationen überhaupt erst in die Situation gebracht haben, dass Nachrichten zur Fiktion werden ( Spiegel Affäre). Die gefühlte Tristesse unseres Arbeitslebens, schreit ja förmlich danach, dass etwas „Großes“ geschehen muss, ja, Sensationen müssen her, jetzt, sofort und schnell, denn morgen haben wir sie ohnehin wieder vergessen.

Halt – Stop – warum eigentlich? Ist die Langeweile echt nicht mehr zu ertragen? Das Leben wirklich so mies ? oder zerstört der Dauerstress unseres Belohnungssystems schlicht langsam aber sicher auch den Rest unserer grauen Masse zwischen den Ohren ?  

Ich gebe zu, Facebook hat mich lange gut unterhalten und ihr alle habt mich inspiriert, erfreut, traurig gemacht und gerührt, aber wenn ich zwei bis 4  Stunden am Tag damit verbringe in mein Handy zu starren und weniger mein eigenes Leben führe, dann muss ich mir Gedanken machen, wie ich mein Leben zurück bekomme. Wenn ich dann noch den Eindruck habe, dass die Themen zunehmend von Hass und Furcht geprägt sind, dann sehe ich ein Leben ohne Facebook als Verbesserung meiner Lebensqualität an.

Wenn es nichts kostet, bist Du das Produkt!

Ich habe diesen Satz in den letzten Jahren oft gehört und er wird für mich nicht richtiger, nur weil er oft wiederholt wird. Im Gegenteil. Wenn Du bei Facebook bist, dann bist Du nicht das Produkt, Du bist der Rohstoff! Das Produkt ist die Aufbereitung deiner Daten, deines Lebens, deiner Seele. Das Produkt ist ein kaufbarer „Dump“ an Daten, für jeden der es sich leisten kann und dafür braucht es nicht viel. Schon für 5 € bekomme ich eine kleine Kampagne und ich muss nur empathisch genug sein, um den Empfängerkreis entsprechend eingrenzen zu können.  Für viele klingt das noch ganz harmlos, denn es geht ja nur darum, dass Werbung ausgestrahlt wird. Doch was mit Daten möglich ist, zeigen nicht zuletzt die Wahlen in den USA oder auch das Brexit Referendum. Facebook hat hier den falschen Werbetreibenden  einen ethisch unsauberen Zugang gelegt und damit indirekt auch ermöglicht, dass wir heute geopolitisch kurz vor einer Aufspaltung Europas stehen und über Mauern entlang  der amerikanischen Grenze will ich gar nicht reden.

Meinungen machen zu können, dass ist das wirkliche Produkt und das ganze auf Basis meiner Likes, meiner Gespräche und meiner Fotos – meines Lebens! Na super, Facebook Du hast mich betrogen Du Bitch, denn Du willst nicht mich, Du willst mich nur benutzen!!! Nicht, dass ich das nicht gewusst hätte, aber Werbung und deren Wahrnehmung sollte sich in einem gewissen ethischen Korridor bewegen.

Wenn Du nicht Teil der Matrix bist, bist du nicht Teil der Realität!

Nach dem der eine oder andere Politiker nun das Weite sucht und die Sozialen-Medien verlässt, gibt es ernsthaft Leute, die glauben, dass diese Politiker unter Realitätsverlust leiden.

Ich persönlich sehe das nicht so, im Gegenteil!  Die reale Welt, die ist da draußen.

Die reale Welt, das sind Gespräche von Angesicht zu Angesicht, das sind die Begegnungen beim Einkaufen, der Kaffeeklatsch der Spaziergang im Wald und das empirische Erfahren der Realität.  Ich drehe es eher um: Wenn Du die richtige Pille schluckst, stellst Du fest wie schön die Welt wirklich sein kann UND wenn Du deine Zeit damit verbringst, die Welt besser zu machen, anstatt wie ein Wackeldackel einfach so auf „Like“ zu klicken und zu denken, dass Du damit deine Schuldigkeit getan hast, nein ein „Je Suis xyz“ löst nicht ein einziges Problem!!!!!

Die Dämonen, sie sind der Hölle entkommen und sie jagen dich!

Früher im Zeltlager hieß es „Was im Zeltlager passiert, dass bleibt im Zeltlager!“ Wenn Du glaubst, dass das bei Facebook auch so ist, dass blicke doch mal nach China.

Wir leben hier in der Illusion, dass unsere Zukunft eine Konstante ist und sich wenig verändert. In Wirklichkeit verändert sich unheimlich viel und weil es so viel ist, bekommen wir nur noch die großen Einschläge mit.

Wir billigen hierbei, dass unsere Telefone in China ( auch iPhones )  produziert werden und blenden den in China eingeführten Social Score völlig aus. Technologie ermöglicht nicht nur das „Teilen“ von Katzencontent, sondern auch das stetige Überwachen des Individuums. Wir sind umgeben von Überwachungskameras, die Schufa weiß, was Du  letzten Sommer verdient hast und dein Kreditkarten-Herausgeber kennt deine Konsumvorlieben genauso wie Amazon und ebay das tun.

Die reden nicht miteinander? Nunja .. in China ist das Zeitalter  in dem Maschinen miteinander reden und alles auf den einen Useraccount zurückführen bereits angebrochen und auch bei uns sammeln DSPs ( Datenprovider)  fröhlich ( anonymisierte) Daten über unser Verhalten, damit Werbung Web-Übergreifend besser funktioniert.  Personalisierte Fernsehwerbung ist auch schon in der Mache. So weit so gut, so lange wir dann bessere Werbung bekommen, ist das schon mal ein Mehrwert. Aber wenn wir uns durch diese Werbung um Kopf und Kragen kaufen ?

Wofür kann man deine Daten noch verwenden? Nun ja, wenn Du gerne im Netz diskutierst, dann wird dir vielleicht schon mal der Gedanke gekommen sein, dass es sich bei deinen Gesprächspartnern nicht nur um Menschen gehandelt haben kann. Ja, Bots sind die neuen Jäger in einer digitalen Welt. Drohnen, ausgeschickt um mit Dir in der Diskussion zu ringen, deine Gedanken zu vergiften und dich gegeben falls zu vernichten. (Verbal)

Wer schon mal solche Diskussionen miterlebt hat, der weiß bestimmt was ich meine. 

Stell dir mal die Frage, was passiert, wenn solche Technologien aus Facebook, Twitter und Co heraustreten können!

Kurzum Facebook Du Zecke, du saugst mein Blut und verkaufst es weiter, nein Danke!

Lebensqualität

Lebensqualität bedeutet für mich heute auch etwas anderes als es noch vor 10 Jahren der Fall war. Heute bin ich froh, wenn ich Zeit mit Freunden und Familie verbringen kann, wenn ich Zeit für meine Hobbies habe, gesund und munter Sport treiben kann und dabei finanziell halbwegs über die Runden komme. Karriere, Erfolg und Geld, sind natürlich auch wichtig, aber sie nehmen nicht mehr 90% meines Daseins ein, dafür ist mir mein Leben zu wichtig geworden. Facebook featured in diesem Wertesystem kaum noch einzelne KPI, da es mich nicht sportlicher, gesünder oder glücklicher macht und viele der Diskussionen langweilen mich, weil sie eher polemisch, denn faktisch sind.

Ein wichtiger Aspekt, hierbei ist für mich vor allem reale Menschen in der realen Welt zu treffen und mich mit diesen auszutauschen. So schön die virtuelle Welt sein kann, so sehr hinkt sie doch hinter der realen hinterher.

Warum wir soziale Netzwerke neu denken sollten?

Zweifelsohne, ein Netzwerk wie Facebook kann durchaus gewinnbringend für eine Gesellschaft sein. Aber so, wie es jetzt läuft, kann es nicht weitergehen. Wenn es so weiter geht, dass wir alle mit dem, was wir tun, nur Futter für einen Werbealgorithmus sind, der gleichzeitig noch Geheimdienste etc. füttert, dann wird der Mehrwert des Netzwerkes zwangsweise in den Hintergrund treten.

Gleichermaßen ist es auch so, dass unsere Daten durchaus einen Wert darstellen , dessen man sich bewusst sein sollte. Wenn wir schon unser Seelenleben im Internet auskippen und damit Geld verdient wird, dann sollten wir einen entsprechenden Refund dafür erhalten. Auf der anderen Seite dienen unsere Daten ja auch dazu, dass wir entsprechend passende Werbung erhalten. Aber es muss auch die Möglichkeit geben, dass jeder selber entscheiden kann, was von seinen Daten genutzt werden darf uns was nicht.

Fakten statt Meinungen.  Eine Gemeinschaft sollte in der Lage sein, Fake von Realität zu unterscheiden, ein  Algorithmus ebenso. Die Technologie, sollte uns helfen, eine aufgeklärtere Gesellschaft zu werden, die auf Basis von echten Informationen Entscheidungen fällt und nicht auf Basis von Hetze und Stimmungsmache.  Letzteres sollte auch entsprechend vorab überprüft werden können und nicht nur Pseudo-Sanktionierungen  unterliegen.

Wenn Facebook hier nicht schnell wird, bzw. andere Netzwerke sich nicht entsprechend entwickeln, sehe ich keine Zukunft für eine sinnvolle digitale Weiterentwicklung.

Tschüss Facebook!

In diesem Sinne, sehe ich auch Momentan keinen Grund mehr, Facebook zu unterstützen. Ich habe meine Aktien verkauft ( schon sehr lange), meine Filterbubble optimiertund repliziert.

Das wars!

Comments

  1. Thomas Fleck says:

    Long but good read!

  2. fendi911 says:

    Long but good read!

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